September 18, 2021

Anchorman im Schachfernsehen

In der Zwischenetage des Maritim-Hotels in Magdeburg liegt der Spielsaal der German Masters, der eigentlichen Meisterschaften der Frauen und Männer. Die Tür steht offen. Wer hineinschaut, sieht die besten Schachspielerinnen und -spieler Deutschlands an den Brettern brüten. Hineingehen ist nicht erlaubt. Wie bei allen anderen Gipfelturnieren weist ein Schild unmissverständlich darauf hin: keine Zuschauer.  

Links vom Spielsaal steht ein kleines Büffet mit Getränken und Snacks sowie einem Hinweis, der Unbefugte abhält zuzugreifen: „Nur für Spieler“. Die nächste Tür ist angelehnt, auch dort ein Schild: „Kommentierung Klaus Bischoff“, darunter in riesigen Lettern: „Zuschauer erwünscht“.

Hinter dieser Tür liegt das „Studio“ des offiziellen DSB-Streamers.

Anzutreffen ist der Anchorman des deutschen Schachs hier täglich lange vor Beginn der Runde um 14 Uhr. Klaus Bischoff sitzt links von der Tür an einem Tisch, vor sich nur ein Mikrofon und ein Laptop, hinter sich zwei Roll-ups. Im 90-Grad-Winkel zum und in coronakonformem Abstanz zum Moderator sitzen die Gäste. Auch vor ihnen steht ein Kondensatormikrofon, dahinter die in Magdeburg obligatorischen Roll-ups mit DSB- und Gipfel-Logo für den Stream-Hintergrund.

Mehr als 50 Stunden auf Sendung: Klaus Bischoff bei der Arbeit. | Foto: Deutscher Schachbund

Was die Zuschauer daheim am Bildschirm sehen, sehen auch die, die hier Platz nehmen. Eine Leinwand neben Bischoffs Tisch zeigt die aktuell besprochene sowie die Live-Stellung. Bis zu zehn Zuschauer können hier in drei Reihen Platz nehmen.

Die Ansage „Zuschauer erwünscht“ ist ernst gemeint. Als Veteran des Schachkommentars hat Großmeister Bischoff schon live Partien erklärt, als Twitch und Streams noch nicht erfunden waren. Mit Publikum ist der Menschenfreund besonders gut, von Angesicht zu Angesicht interagiert er am liebsten.

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