Das Meisterschaftsturnier 2020 endete mit einem absoluten Nervenkrimi. Die OSG Baden-Baden besiegte in der letzten Runde den SC Viernheim nach einem fantastischen Kampf mit 4,5:3,5 und verteidigte den Deutschen Meistertitel. Viernheim stand kurz vor der großen Überraschung, muss sich aber mit der Vizemeisterschaft abfinden. Den dritten Platz belegen die Schachfreunde Deizisau, die mit einem 6,5:1,5 gegen Solingen einen tollen Abschluss feierten. Der vierte Platz geht an Werder Bremen nach dem 5,5:2,5 gegen Berlin. Solingen belegte Platz fünf vor Bayern München, die zum Abschluss mit 5,5:2,5 gegen Aachen gewannen. Berlin und Aachen bilden das Tabellenende dieses Turniers.

Foto: Christian Bossert

Francisco Vallejo Pons und Arkadij Naiditsch sichern Baden-Baden die Meisterschaft

Vor dem Kampf zwischen Baden-Baden und Viernheim waren die Vorzeichen eindeutig. Dem Titelverteidiger reichte dank der besseren Zweitwertung – Brettpunkte – ein 4:4, um den Titel zu verteidigen. Von Beginn an entwickelte sich ein Kampf auf Biegen und Brechen, der letztendlich an den hinteren Brettern entschieden wurde.

Fabiano Caruana und Shakhriyar Mamedyarov trennten sich als erste Spieler mit einem Unentschieden. Das ging völlig in Ordnung, da nach 20 Zügen ein ausgeglichenes Endspiel mit Türmen und ungleichfarbigen Läufern auf dem Brett stand. Es folgten drei weiteren Remis an den Brettern zwei bis vier. Bedenkt man, dass Viernheim gewinnen musste, kann man die vielleicht etwas zu frühen Punkteteilungen an den Brettern zwei und drei beanstanden. In der Partie zwischen Anton Korobov und Richard Rapport an Brett vier ging am Ende tatsächlich nichts mehr.

Die erste Entscheidung folgte an Brett acht. Hier siegte Sergei Fedorchuk gegen Etienne Bacrot und Viernheim schnupperte an der Überraschung. Fedorchuk spielte eine blitzsaubere positionelle Partie. Er besaß am Ende die deutlich aktiveren Figuren und einen Mehrbauern, als Bacrot aufgab. Der Jubel bei Viernheim hielt aber nicht lange, denn Francisco Vallejo Pons glich postwendend aus. Amin wählte einen ruhigen Reti-Aufbau und es entstand ein ausgeglichenes Mittelspiel. Vallejo bot die Zugwiederholung an, doch der ägyptische Großmeister griff danach mehrmals fehl. Vallejo Pons baute ein starkes Zentrum auf und jagte die weiße Dame, bis er sie tatsächlich eroberte. Der Rest war Agonie.

Der Rest war ein Krimi und kostete die Beteiligten viele Nerven. Beim Stand von 3:3 sah es objektiv nach einem 4:4 aus, da David Anton Guijarro an Brett fünf klare Vorteile gegen Michael Adams hatte und Arkadij Naiditsch gegen Igor Kovalenko sogar auf Gewinn stand. Insbesondere die Partie zwischen Naiditsch und Kovalenko war nichts für schwache Nerven. Der ehemalige deutsche Nationalspieler, der für Baden-Baden schon viele Siege errungen hat, stand objektiv auf Gewinn, musste aber seinen König vor der Restarmee seines Gegners mehrmals schützen, um nicht plötzlich in eine Mattangriff zu laufen. Bei beiderseitig knapper Zeit manövrierte er seinen Monarchen vorbei an den gegnerischen Drohungen und schaffte nach fünf Stunden den vollen Punkt. Damit stand Baden-Baden als Meister fest.

Anton Guijarro verpasste in der Zwischenzeit ein forciertes Matt gegen Adams und ließ den Übergang in eine ausgeglichenes Turmendspiel zu, so dass Baden-Baden diesen tollen Kampf sogar noch gewann.

Die OSG Baden-Baden baute damit die Siegesserie, die nur von der SG Solingen in der Saison 2015/16 unterbrochen wurde, aus und gewann zum 14. Mal in 15 Jahren die Deutsche Meisterschaft.

Deizisau auf dem Podest

Die Schachfreunde Deizisau, die wie die OSG Baden-Baden von GRENKE gesponsert werden, landeten nach dem überraschend hohen 6,5:1,5 gegen Solingen auf den dritten Platz. Zdenko Kozul brachte sein Team in Führung und Deizisau führte 2,5:1,5. Danach brachen bei Solingen alle Dämme und auch gute Stellungen drehten sich zugunsten ihrer Gegner.

Sehr erfreulich aus deutscher Sicht verlief das Turnier für Vincent Keymer. Der 15-jährige Großmeister siegte auch in der letzten Partie gegen Jan Smeets und mit 5,5 Punkten aus sieben Partien verbesserte er sich um 20 Elo-Punkte! Das nächste Ziel kann nur eine Elo von 2600 lauten.

Vincent Keymer spielte ein tolles Turnier

Tabelle Meisterschaftsturnier 2020

MANNSCHAFT 1 2 3 4 5 6 7 8 SP MP BP BW
1. OSG Baden-Baden  + 5 6 7 7 7 7 14 43 182½
2. SC Viernheim  + 5 6 5 6 7 7 12 38 167
3. Schachfreunde Deizisau 3  + 5 5 7 10 33 142½
4. SV Werder Bremen 3 2 3  + 5 6 7 8 29 132
5. SG Solingen 2 3  + 5 7 7 6 27½ 125
6. FC Bayern München 1 3 3  + 5 7 4 23½ 111
7. SF Berlin 1 2 3 1 3  + 4 7 1 16½   79
8. Aachener SV 1 1 ½ 2 4  + 7 1 13½   69

Info: Dieses Turnier war eine Zusatzveranstaltung und diente der Ermittlung des Deutschen Mannschaftsmeisters 2020, nachdem die Schachbundesliga den Spielbetrieb wegen der Corona-Pandemie unterbrach und ihn im Frühjahr 2021 fortsetzen wird. Die Teilnahme an diesem Turnier geschah nach einem Beschluss aller 16 Bundesligavereine auf freiwilliger Basis.

Turnierseite

Print Friendly, PDF & Email