Lernerfolg in der Schule wünschen sich Kinder, Eltern und Pädagogen. Die Kinder bringen unterschiedliche Voraussetzungen und Fähigkeiten mit. In den letzten Jahren ist die Wissenschaft in neue Bereiche vorgedrungen, um die Voraussetzungen für den Lernerfolg zu bestimmen und Möglichkeiten zu finden, die Kinder auf die Erfolgsspur zu bringen. „Für das Lernen und die Ausbildung ist es wichtig, die Grundprinzipien der kognitiven Entwicklung und der kognitiven Psychologie zu berücksichtigen und die Materialien an die Fähigkeiten des Arbeitsgedächtnisses des Lernenden anzupassen.“(Cowan, 2014). Schön wäre es, wenn man die Kinder ohne Drill und Druck auf ein höheres Niveau hieven kann. Jüngste Forschungsergebnisse machen Hoffnung, wobei auch das Schachspiel mit all seinen Besonderheiten in den Blickpunkt rückt. Gleichzeitig bestätigt die hier vorgestellte Studie die wertvolle Arbeit der Lehrer, die Schach unterrichten und der vielen, meist ehrenamtlichen Schachtrainer in Deutschland.

Zum Zusammenhang zwischen Schachtraining und schulischen Leistungen bzw. Schachtraining und IQ wurde schon viel geforscht und geschrieben. Hingegen blieb die Wirkung von Schach auf den menschlichen Arbeitsspeicher – das menschliche Arbeitsgedächtnis – bisher eher unerforscht. Indische Wissenschaftler (Joseph, Easvaradoss, Abraham & Vaddadi, 2020) stellten kürzlich die Ergebnisse ihrer 2-jährigen Interventionsstudie „Malleability of Working Memory Through Chess in Schoolchildren—A Two-Year Intervention Study“ vor. Die lange Dauer der Studie und die hohe Stichprobe (178 Kinder, davon 88 Kinder in der Gruppe mit Schachtraining und 90 Kinder in der Kontrollgruppe ohne Schachtraining) lassen fundierte Rückschlüsse zu.

Das Arbeitsgedächtnis (working memory) speichert kurzzeitig Informationen, verarbeitet Informationen und ist an der Bewältigung komplexer Aufgaben beteiligt. Aktuelle Forschungsarbeiten zeigen Zusammenhänge zwischen Arbeitsgedächtnis und vielen kognitiven Fähigkeiten:

  • Spracherwerb (Engel de Abreu, Gathercole, & Martin, 2011)
  • Lesefähigkeit (Stevenson, Bergwerff, Heisera, & Resinga, 2014)
  • Rechenfähigkeit (Stevenson, Bergwerff, Heisera, & Resinga, 2014)
  • Leseverständnis (Seigneuric, Ehrlich, Oakhill, & Yuill, 2000)

Das Arbeitsgedächtnis eignet sich auch sehr gut als Prädiktor für schulische Leistungen, wie in o.g. und anderen Arbeiten inzwischen nachgewiesen wurde. Die Beurteilung des Arbeitsgedächtnisses ist eine gute Möglichkeit, Kinder zu identifizieren, bei denen ein hohes Risiko besteht, eher schlechte Lernergebnisse zu erreichen (Gathercole & Alloway, 2008).

Die Autoren Joseph, Easvaradoss, Abraham & Vaddadi der hier vorgestellten Interventionsstudie legen anschaulich dar, wie Schach das Arbeitsgedächtnis fordert und fördert:

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