Wie Schach in der Therapie helfen kann

INTERVIEW MIT PROF. DR. SABINE VOLLSTÄDT-KLEIN

Schach kann vieles sein – Sport, Spiel, Wissenschaft, Kultur. Was viele nicht wissen: Schach kann auch in der Medizin bei der Therapie helfen. Prof. Dr. Sabine Vollstädt-Klein forscht als Leiterin der Arbeitsgruppe „Neuroimaging abhängigen Verhaltens“ des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim zu den Einsatzmöglichkeiten von schachbasierter Therapie als Zusatz-Intervention bei der Behandlung von Suchtkranken. Dazu führt sie ab diesem Sommer zwei wissenschaftliche Studien durch, bei denen Schach zur Stärkung der kognitiven Funktionen als „Therapie-Add-On“ zum Einsatz kommt. Dies soll einen positiven Effekt auf den Behandlungserfolg haben und auch zu messbaren Veränderungen im Gehirn führen. Sie ist Gründungsmitglied der International Society for Applied Chess (ISAC), welche die Anwendung von Schach zum Beispiel in der Psychotherapie, der Rehabilitation von Patienten und bei der Arbeit mit Flüchtlingen oder autistischen Kindern unterstützt. Wir haben sie zu ihrer Forschung interviewt.

Wie lange forschen Sie bereits am Thema Schach als Therapieunterstützung?

2015 hat mich der Schachjournalist IM Stefan Löffler zur London Chess Conference eingeladen, um über mögliche positive Effekte von Schach bei Suchterkrankungen zu referieren. Dort habe ich den spanischen Schachjournalisten Leontxo García getroffen, der mir Kontakte zum Magic Chess Club (Club de Ajedrez Magic, deportivo y social) in Mérida, Spanien, vermittelte. Das dortige Team um den Club-Präsidenten und Psychologen Juan Antonio Montero Aleu wendet seit über 15 Jahren erfolgreich ein selbst entwickeltes schachbasiertes kognitives Training, u.a. bei Suchtpatienten, an.
Meine aktive Forschung zu dem Thema beginnt erst jetzt. Ich musste zuerst Fördermittel erlangen, was mir nun für zwei Projekte gelungen ist. Ich werde das schachbasierte kognitive Training des Magic Chess Clubs in Studien mit Alkoholabhängigen und Rauchern anwenden.

Welche positiven Effekte kann Schach ganz allgemein auf die kognitiven Fähigkeiten haben?

Es gibt einige Studien über den Zusammenhang von Schachpraxis und kognitiven Fähigkeiten. So wird Schachspielen als protektiv gegen dementielle Erkrankungen diskutiert. Eine Studie bei Kindern zeigte einen positiven Einfluss von Schach auf Aufmerksamkeit, Ablenkbarkeit, planerische Fähigkeiten und Problemlösen. In einer weiteren Studie bei Erwachsenen waren Schachspieler Nicht-Schachspielern in planerischen Fähigkeiten überlegen. Schach wird nicht nur zur Verbesserung kognitiver Fähigkeiten diskutiert. Es wird auch als förderlich für die soziale Entwicklung angesehen.

In welchen Bereichen kann Schach als „Therapie-Add-On“ helfen?

Weiterlesen auf der Seite des DSB

Lesen Sie auch:

Der Schachtherapeut – Reloaded

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.