Juni 21, 2024

Moderne Bewusstseinsforschung, ganzheitliche Informationsverarbeitung und Quantenphysik

Moderne Bewusstseinsforschung, integrierte Informationsverarbeitung und Quanten

„…for an information processing system to be conscious, its information must be integrated into a unified whole“ (Max Tegmark 2014, S. 29).

 

Vorbemerkung zur ganzheitlichen  Informationsverkniipfung meiner Beiträge im Schach-Ticker

Ähnlich wie Informationen in verschränkten Quantensystemen miteinander verbunden sind und geteilt werden, werden hier Erkenntnisse und Hypothesen aus verschiedenen Artikeln verknüpft. Es gibt Verschränkungen und Überlagerungen von Aussagen und Formulierungen. Manchmal tunneln Textpassagen durch zu Stellen, an denen sie nicht erwartet wurden und dann doch passen. Irgendwie ist die Textgestaltung wie beim Quanten-Informations-Ansatz oder wie es hinsichtlich des Physiknobelpreises 2022 lautete „pioneering quantum information science“.

Ganzheitliches informations- und Handlungssystem 

Am Beispiel des Schachs und der SchachspielerInnen skizzierte ich bereits 1993 ein prägnantes Menschenbild: „Ich möchte ein psychologisches Menschenbild vorschlagen, welches den Menschen primär als ‚Integriertes Informationsverarbeitungs- und Handlungssystem‘ (II&HS) betrachtet“  (im Buch Schachpsychologie, ab der 3. Auflage 1993, S. 368).

Das Konzept “Informationsverarbeitungssystem“ impliziert, daß äußere und innere Reize/Signale/Informationen sowie Verhaltenskonsequenzen verarbeitet und teilweise gespeichert werden. Außerdem schließt es ein, daß Verbindungen zwischen Informationen (Wissensinhalte) hergestellt oder auf neue Weise (kreativ) verknüpft werden.

Das Konzept “Handlungssystem“ beinhaltet die Aktivierung durch Kognitionen, Emotionen, Motive – seien diese nun bewußt oder unbewußt – sowie die Interaktion mit Umwelt und Mitmenschen.

Siehe auch 

Menschenbilder (IV): Der Mensch als Ganzheitliches Informationsverarbeitungs- und Handlungssystem / Ein einheitliches Menschenbild der Psychologie

 

Bewusstsein und Quantenphysik

Eine umfassende Betrachtung und Diskussion des Bewusstseins kann heute nicht darauf verzichten auch Ausführungen der Quantentheorie zu berücksichtigen. „Die wohl spekulativste Verbindung zwischen Biologie und Quantenmechanik betrifft das Bewusstsein. Ausgehend von Interpretationen der Quantenmechanik, wurde schon früh die Möglichkeit in Betracht gezogen, das Bewusstsein könne über den Messprozess einen Einfluss auf den Zustand der Materie haben.“ Neue Zürcher Zeitung [www.nzz.ch] (2010).

Bewusst‘ als vierter Zustand der Materie?

Noch ein weitblickender Ansatz sei vorgestellt:

Der Artikel bezieht sich vor allem auf den bereits dargestellten Ansatz von G. Tononi – Integrated Information Theory:

Zunehmende Beachtung von menschlicher Informationsverarbeitung und Gehirn in der Physik

und erweitert diesen auf allgemeine bewusstseinsfähige Materie wie zukünftige Computer, Roboter und Quantensysteme! Tegmark stellt also eine Beziehung zur Quantenphysik her.

Am 6.1.2014 erschien auf einer bekannten Internetplattform für wissenschaftliche (Vorab-)  Veröffentlichungen, die Zusammenfassung des Beitrags: Consciousness as a State of Matter

[arxiv.org] von Physikprofessor Max Tegmark, der am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) forscht und lehrt.

Auszug aus dem „Abstract: We examine the hypothesis that consciousness can be understood as a state of matter, ‚perceptronium‘, with distinctive information processing abilities. We explore five basic principles that may distinguish conscious matter from other physical systems such as solids, liquids and gases: the information, integration, independence, dynamics and utility principles… Our approach generalizes Giulio Tononi’s integrated information framework for neural-network-based consciousness to arbitrary quantum systems….“ (updated am 18.3.2015)


Bald darauf bringt der NewScientist vom 12.4.2014 auf dem Cover als Titelgeschichte angekündigt: „A bold new theory of consciousness„. Der Artikel selbst trägt die Überschrift: „Solid, Liquid, Consciousness“. NewScientist fasst die „kühne Theorie“ zusammen: „Consciousness is just another state of matter, like a solid, liquid or gas, says physicist Max Tegmark“ (2014, S. 29).

Die zentrale Annahme: „Consciousness is the way information feels when processed in certain ways“ (2014, S. 30). Im Zentrum eines bewussten Zustands findet Informationsverarbeitung statt, welche beim Menschen durch Hirnprozesse bzw. Neuronen und neuronale Netze entsteht.
Der Physiker behauptet nicht, jegliche Materie könne den Bewusstseinsstatus annehmen, sondern nur Materie, die zur integrierten Informationsverarbeitung fähig ist: „A unified whole …for an information processing system to be conscious, its information must be integrated into a unified whole“ (2014, S. 29)

Auch Tegmark betont: „…consciousness is an ‚emergent phenomenon‘ whose complex behavior emerges from many simple interactions“ (2014, S. 29). Er denkt dabei natürlich an das Gehirn: „…the brain systems linked to consciousness are strongly integrated, with all parts able to affect one another“ (S. 30).

„The plot thickens, when we view our brain’s moving particles as a quantum-mechanical system“ (Max Tegmark 2014, S. 31).

Und damit das Bewusstsein nicht in Gedanken versinkt, beschäftigt es sich auch mit Handeln – z.B. in einem genialen Spiel.

Dr. Reinhard Munzert, 2024