Netanya Masters – Israel gegen den Rest der Welt

Der Rest der Welt tritt nicht in Bestbesetzung an – liegt wohl an einer Konkurrenzveranstaltung in Zagreb, bei der die meisten top10 Spieler dabei sind. So bekamen sie maximal die Nummer 11 der aktuellen Weltrangliste. Dennoch ist der Rest der Welt recht klar favorisiert – es liegt auch daran, dass jedenfalls ein Israeli seine besten Elozeiten hatte und selbst Israel-intern momentan nicht die Nummer eins ist.

Dabei sind, nach Elo sortiert, Dominguez, Svidler, Dubov, McShane, Rodshtein, Nabaty, Gelfand, Eljanov, Postny und Smirin. Gespielt wird ein Rundenturnier mit klassischer Bedenkzeit (90 Minuten für 40 Züge, 30 Minuten für den Rest, 30 Sekunden Zugabe von Anfang an).

Bei der Chess Tour Veranstaltung mit quasi-Gastgeber Garry Kasparov könnte ich darauf verzichten, die Spieler vorzustellen. Hier mache ich es – nach aktueller Elo sortiert, Elo die sie mal hatten ist oft eine andere Kiste.

Seit sein Verbandswechsel offiziell ist, spielt Dominguez auch wieder richtiges Schach, und sogar im Ausland. Die letzten beiden Turniere verliefen nach dem Motto “Spieler mit Elo unter 2700 oft besiegen, gegen stärkere Remis”. Und das brachte (US-Meisterschaft und russische Mannschaftsmeisterschaft) 21 Elopunkte. Nun ist er Elofavorit – in wessen Fusstapfen er tritt, wenn er diese Rolle bestätigen sollte, siehe unten. Was hatte er eigentlich zuvor 2017, 2018 und Anfang 2019 gemacht? Ab und zu eine Sinquefield-Showveranstaltung, Geld verdient hat er wohl auch als Caruana-Sekundant und ein bisschen bekam er wohl auch von chess24.

Svidler muss ich wohl nicht vorstellen, nur der Hinweis: Manchmal kommentiert er, manchmal spielt er auch selbst Schach.

Dubov wird offenbar nicht als Carlsen-Sekundant in Zagreb gebraucht, sondern darf das Publikum selbst unterhalten. Davon gehe ich aus – was dabei heraus kommt, wissen wir nach dem Turnier.

McShane – ist er nun Amateur oder nicht? Es ist sein erster schachlicher Ausflug ins Ausland in eigener Sache seit März 2018, Europameisterschaft in Batumi. Bundesliga spielt er ziemlich regelmässig – ist ja an Wochenenden. Für England spielte er auch Mannschaftskämpfe mit mehr als zwei oder höchstens drei Partien nacheinander.

Rodshtein hatte schon mal Elo knapp über 2700, meistens lag er aber knapp darunter – momentan auch.

Nabaty ist ein ungewöhnlicher Fall: ein in Israel geborener israelischer Schachgroßmeister. Rodhstein kommt aus St. Petersburg, das 1989 noch Leningrad hiess. Am damals noch titellosen Peter Svidler lag es wohl nicht, dass die Stadt seit 1991 einen neuen alten Namen hat. Gelfand kommt wie Smirin aus was später Weißrussland wurde. Postny kommt aus Novosibirsk, da war es ihm wohl zu kalt. Sutovsky kommt aus Baku – aber er hat wohl momentan vor lauter Schachpolitik kaum Zeit für Schach spielen. Zurück zu Nabaty: auch er schien auf dem Weg Richtung Elo 2700 – aber vorläufig war bei 2697 (März 2019) Schluss und nun ist es wieder ein bisschen weniger.

Gelfand hatte natürlich viele Jahre lang (deutlich) mehr als 2700. Generell muss ich ihn nicht vorstellen, aber warum hat er nun weniger? Schuld war zunächst vor allem Deutschland im Oktober 2018 – weniger das Remis gegen Nisipeanu bei der Olympiade, vor allem Remis gegen Elisabeth Paehtz sowie Niederlagen gegen Svane und Keymer beim Isle of Man Open. Dann hat auch noch Österreich mitgemischt – klare Niederlage im Match gegen Markus Ragger. Die letzten beiden Turniere ohne deutschsprachige Gegner (Prag und Europameisterschaft) liefen wieder besser. Nach dem nun anstehenden Turnier ist er vielleicht wieder Nummer eins in Israel.

Eljanov war zu seinen besten Zeiten mal top10 oder knapp darunter, aktuell ist er immerhin noch knapp in der top100 vertreten. Seit Oktober 2018 hat er fast 50 Elopunkte eingebüsst, sein Ruf ist sicher besser als Elo 2655.

Postny, was soll ich zu ihm schreiben? Schon lange dabei aber eher nicht im Rampenlicht.

Selbst Smirin hatte mal Elo knapp über 2700 – und das zu Zeiten (Juli 2001 und Januar 2002) als 2702 immerhin Platz 13 in der Weltrangliste einbrachte. Elo-Nachbarn Anfang 2002 waren u.a. Gelfand, Bareev, van Wely, Kasimdzhanov und Karpov. In diesem Turnier ist Smirin zusammen mit Postny relativ klarer Elo-Außenseiter – wenn er diesen Status bestätigen sollte wird er vermutlich jedenfalls schön verlieren.

Soviel zum anstehenden Turnier, gab es eigentlich schon einmal Schachturniere in Netanya? Ja, vor allem Ende des letzten Jahrtausends. Die bekanntesten Sieger waren zunächst Amerikaner, und zwar Robert James Fischer (Eigengewächs), Samuel Reshevsky (Import-Pole, allerdings schon im Alter von neun Jahren) und Lubomir Kavalek (Import-Tscheche). Ob Dominguez wie der nach dem Ende des Prager Frühlings geflüchtete Kavalek Kommunismus nicht (mehr) mag [früher bezeichnete er Kuba mal in Interviews als “island of freedom”, aber das war früher] oder ob Rex $inquefield eine Rolle spielte oder ob beides zusammen kam, dazu kann ich nicht recherchieren.

Danach hat sich dann 1975 ein jugendlicher Jan Timman in die Siegerliste eingetragen. Zuletzt gab es 2009 Schach in Netanya, und zwar Schnell- und Blitzschach. Im Schnellschach gewann Evgeny Najer, im Blitzen Daniel Fridman. Eigentlich ist es üblich, den Turniersieger erneut einzuladen, oder? Vielleicht dachten sie “ist zu lange her”, vielleicht auch “war ja nur Schnell- und Blitzschach”, und Fridman spielt ohnehin derzeit in Saint Louis. Auch damals dabei waren Gelfand, Eljanov, Smirin und Rodshtein, außerdem u.a. Nepomniachtchi (auch wenn die Turnierseite zwei Varianten hat, seinen Namen falsch zu schreiben), Beliavsky, Judit Polgar und Sutovsky.

Nochmal ins Jahr 2019: Es gibt auch ein Open – oben und was Anzahl GMs betrifft (22) durchaus stark besetzt, insgesamt dominieren Israelis quantitativ (124 von 146). Darunter viele mit Elo teils klar unter 2000, angeführt wird die Setzliste von den Ukrainern Korobov, Kuzubov und Moiseenko. Deutsche Teilnehmer Fehlanzeige, ungewöhnlich für Opens: nur ein Inder. Der Name CM Vuppala Prraneeth ist mir kein Begriff – könnte sich ändern denn er ist noch jung (*2007).

Fast hätte ich die üblichen Infos vergessen. Gespielt wird vom 23.6. bis 2.7., meistens ab 16:00 Ortszeit. Ausnahmen sind der 29.6. (Samstag ist Sabbat, da wird gar nicht gespielt), der 28.6. ab 11:00 wohl auch wegen Sabbat, und der 2.7. ab 11:00 wohl wegen letzte Runde.

 

 

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