Mai 24, 2024

Buchverlosung: „Schach in Ostberlin 1945-1990“

Als wir vor einigen Wochen in der DSB-Geschäftsstelle wieder ein Buch in der täglichen Post entdeckten, hüpfte das Herz unseres schachgeschichtlich interessierten Mitarbeiters Frank Hoppe hörbar in die Höhe. „Schach in Ostberlin 1945-1990“ von Wolfgang Thormann und Arno Nickel war genau der Mosaikstein, der die noch weitgehend unerforschte Schachgeschichte von Ostberlin dem Vergessen entreißt und vielleicht für eine weitere Aufarbeitung sorgt. Während das schachliche Geschehen in Westberlin allein durch das monatlich erschienene „Mitteilungsblatt“ des (West-)Berliner Schachverbandes recht gut dokumentiert ist, bleibt das Ostberliner Schach weitgehend im Dunkeln verborgen. Ein Mitteilungsblatt gab es zwar auch dort bis in die 1970er Jahre, aber auch aufgrund der Knappheit an Ressourcen wie Papier wurde es irgendwann eingestellt.

Mit „Schach in Ostberlin 1945-1990“ legt Wolfgang Thormann bereits sein zweites Werk vor. Seinen Erstling „Schachporträts von Berliner Schachspielerinnen und Schachspielern“ gab er vor zwei Jahren noch im Selbstverlag heraus. Es war auch eine Antwort auf das bereits 2013 erschienene Buch „Berliner Schachlegenden“ von Michael Dombrowsky, in dem bis auf Kurt Richter nur Westberliner Schachmeister porträtiert wurden.
Für seinen Nachfolger hat sich der Urberliner und frühere Meisterspieler Thormann den bekannten Schachverleger Arno Nickel ins Boot geholt. Entstanden ist ein Buch, das Thormanns Debütwerk noch bei Weitem übertrifft.

Schach in Berlin nach 1945

Arno Nickel war nicht nur als Verleger tätig, sondern steht zurecht mit als Autor auf dem Titel. Das Interview mit Raymund Stolze und das vielseitige erste Kapitel zum Berliner Schach nach dem Zweiten Weltkrieg entstammt seiner Feder. Eine weitgehend objektive Rückschau auf diese Zeit ist aufgrund „schwindender Zeitzeugen“ (Nickel) nach fast acht Jahrzehnten nahezu unmöglich. Es gibt nur noch wenig verfügbare Dokumente und vieles findet man nur noch in den damaligen Schachzeitschriften.

Doch was passierte nun nach 1945 mit dem Berliner Schach?

Die vier Siegermächte (Alliierte) des Zweiten Weltkrieges Sowjetunion, USA, Frankreich und Großbritannien übernahmen die Verantwortung über das besiegte Deutschland, das nach der Entmachtung der Nationalsozialisten ohne Regierung dastand. Das hatte auch Auswirkungen auf den Sport. Die Alliierten erließen ein allgemeines Vereinsverbot, um das Wiederaufleben nazistischer Organisationstrukturen zu verhindern. Davon waren praktisch alle Vereine betroffen. Bereits ab Juni 1945 wurde allerdings die Bildung kommunaler Sportgruppen erlaubt, deren Leiter vom Nationalsozialismus unbelastete Funktionäre waren. Im Berliner Schach bildeten sich in praktisch allen Bezirken und vielen Stadtteilen Gruppen. Die beiden führenden Schachgruppen nach dem Krieg waren Prenzlauer Berg und Wedding. Die Schachgruppe Prenzlauer Berg mit Berthold Koch an der Spitze gehörte damals in ganz Deutschland zu den führenden. Am 1. April 1949 ging aus dieser Schachgruppe der heutige Schachverein Berolina Mitte hervor.

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