März 2, 2024

Viernheim, Kirchweyhe, Deizisau verlustpunktfrei vorne (4. Spieltag)

Die vier Teams an der Tabellenspitze der Liga haben am vierten Spieltag doppelt gepunktet. Viernheim führt punktgleich vor Kirchweyhe und Deizisau, alle drei mit 8:0 Punkten. Dahinter steht Titelverteidiger Baden-Baden mit 7:1.

Auf ein schwarzes Bundesligawochenende blickt der SV Werder zurück. Von Anreiseschwierigkeiten gebeutelt, handelten sich die Bremer am Sonntag die zweite Niederlage des Heimspielwochenendes ein. Die SG Solingen, am Vortag strahlender 7,5:0,5-Sieger über Bremen, unterlag gegen die an allen acht Brettern nominell etwas schlechteren Kirchweyher.

Der vierte Spieltag:

Der Keymer-Stare traf in der vierten Runde den kroatischen Großmeister Leon Livaic. | Foto: Jorinthe Hagner

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Das logische Ergebnis eigentlich. Beide Teams neigen in dieser Saison dazu, nicht weniger als 3,5 Punkte zu erzielen und nicht mehr als 4,5. Vor dem Hintergrund dieser Tendenz war zu erwarten, dass es 4:4 endet, wenn sie aufeinandertreffen.

Bis zum 4:4 allerdings musste Schach gespielt werden, und es werden eher die nominell favorisierten Dresdner sein, die einem verlorenen Punkt hinterhertrauen. Das lässt sich unter anderem anhand des Geschehens an den ersten beiden Brettern aufzeigen. Jergus Pechac gewann eine Partie, die er hätte verlieren können, und Liviu Dieter Nisipeanu verlor eine Partie, die er nicht verlieren musste.

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Liviu Dieter Nisipeanu war früh unter Druck geraten, hielt aber stand. Nun 31…Lxa4, und die Lage wäre ziemlich unklar. Stattdessen nahm Nisipeanu erst auf b4, und das war ein Fehler, der die bedrängte Lage des Tg5 betont, der als Verteidiger im Hinterland fehlt. Nach 31.cxb4 fährt Weiß per Tc3 einen Turm auf die c-Linie, baut dort eine Dame-Turm-Batterie und dringt dann inklusive Mattdrohugen ein. Weiß gewinnt.

In der Tabelle gleichen die Dresdner und die Münchner Eichhörnchen, die Pünktchen für Pünktchen sammeln und jetzt vollständig gleichauf den neunten Tabellenplatz teilen: 3 Mannschaftspunkte, 15,5 Brettpunkte.

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War das etwa die erste Führung für die Recken aus Hannover im Saisonverlauf? 1:0 stand es gleich zu Beginn, kein herausgespielter Zwischenstand. Beim FC Bayern fehlte einmal mehr Pouya Idani, und offenbar fehlte ebenso ein Ersatzmann, der hätte einspringen können.

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9…Sxc3 10.Lxe6 Sxd1 11.Lxf7+ nebst Dauerschach.

Auch das zweite Brettergebnis des Spieltags produzierten die beiden Teams in München. Dennes Abel bot mit den weißen Steinen nach neun Zügen eine Zugwiederholung an, Valentin Dragnev akzeptierte. Dann zeichnete sich am Brett von Klaus Bischoff ab, dass sich der Kampf zugunsten der Gastgeber wenden würde.

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Diese Einladung nahm Klaus Bischoff gerne an. 18.Sxe6, und Weiß ist schon fast auf der Siegerstraße. Hampel hätte sich allerdings fast gerettet, Bischoff musste bis tief ins Endspiel arbeiten.

Einen herausgespielten Punkt gab es für die Hannoveraner aber noch. Während um ihn herum nur ein Unentschieden heraussprang, gestaltete Artem Dyachuk die Niederlage des Aufsteigers halbwegs milde.

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Schön ist das natürlich nicht für Schwarz, aber jetzt (im verflixten 39. Zug) …Ke7 spielen, den weißen Turm draußen halten, gegen b2 drücken, und dann muss Niclas Huschenbeth erstmal zeigen, wie er weiterkommt. Stattdessen war es nach 39…Te4? schnell vorbei. 40.Txe4 fxe4 41.Sf6, und plötzlich hat Weiß drei verbundene Freibauern und Schwarz einen Schwächling auf der e-Linie.

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Arkadij Naiditsch hat seinen Job als seit Jahren zuverlässige Punktemaschine im Baden-Badener Team wieder aufgenommen. Auch im zweiten Saisoneinsatz kam er zum Sieg, dem ersten des Tages, die Grundlage für einen deutlichen Mannschaftserfolg über den Aufsteiger.

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Arkadij Naiditsch (hinten links) punktet wieder. | Foto: Jorinthe Hagner

Vincent Keymer am ersten Brett trug ebenfalls einen mit Schwarz sicher herausgespielten Punkt bei, kletterte auf über 2743 Elo – und muss nun entscheiden: Ein gutes Dutzend Elopunkte bzw. ein sehr gutes Turnier fehlt noch, um bis in die 2755er-Region aufzusteigen, in der es bei der Abrechnung am Ende des Jahres für den Rating-Spot ins Kandidatenturnier reichen kann.

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35…Txg3+, hübsches Finish eines sicher herausgespielten Siegs, des zweiten an diesem Wochenende.

Eigentlich hat Keymer in diesem Jahr kein klassisches Turnier mehr geplant, hat aber schon angekündigt, gegebenenfalls neu zu planen, sollte die Chance für Kanada 2024 eine realistische sein. Ist sie das? Diese Frage muss der 19-Jährige jetzt zügig beantworten.

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Vom Rückschlag des Vortags zeigte sich der Aufsteiger aus Ötigheim erholt. Auch der Umstand, dass schon in der Eröffnung die Partie am siebten Brett Richtung Remagen lief, beeindruckte das Team nicht.

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So früh im Semi-Tarrasch, da ist 16…a6? schon fast ein theoretischer Fehler. Weiß antwortet 17.Se5 und gewinnt.

Mit nun 6:2 Punkten haben sich die Ötigheimer ein Polster für alles Weitere erspielt. Remagen-Sinzig hingegen hat sich mit nur einem Punkt bis auf Weiteres in der Abstiegszone einsortiert.

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Dritter Saisonsieg für die Himmelblauen aus Ötigheim. | Foto: Wolfgang Frömbogen

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Nun hatten die Kieler schon so einen bescheidenen Start in die Saison hingelegt, und dann wartete auch noch Tabellenführer Viernheim auf die Truppe aus dem Norden. Die Kieler wehrten sich wacker, kämpften allerdings am siebten Brett von Beginn an mit dem Rücken zur Wand.

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Aber Nikita Meshkovs vorzügliche Endspielleistung noch Ashot Parvanyans Kraft der zwei Türme gegen eine einzelne Dame waren nicht genug, um gegen Viernheim in die Nähe eines Punktgewinns zu kommen. 2:2 stand es zwischenzeitlich, aber auf den verbleibenden Brettern deutete sich die Tendenz längst ab.

Die Viernheimer hatten ihr Problem vom Samstag am Sonntag abgestellt. Diesmal punkteten sie oben und unten, nur die Mitte hing ein wenig durch. In der Tabelle bleiben die Viernheimer der Primus im Trio derjenigen, die verlustpunktfrei vorne stehen. Kiel übernimmt als einzige Mannschaft ohne Punkt die rote Laterne von Mülheim.

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Das Doppel-M Mamedyarov/Maghsoodloo punktete doppelt an den ersten beiden Brettern im Kampf Viernheim vs. Kiel. | Foto: Stefan Spiegel

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Die vier Herren an den ersten beiden Brettern dürften einander bekannt vorgekommen sein. Zweimal unentschieden endeten die Vergleiche, wo die Nationalspieler und Vize-Europameister unter sich waren.

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Von übermäßiger Friedfertigkeit unter Freunden keine Spur. Matthias Blübaum rempelte Rasmus Svane mit einem frühen Vorstoß seines h-Bauern an, musste aber feststellen, dass das zu nichts führt außer einem symmetrischen Endspiel ohne Vorteil und ohne Perspektive auf solchen. Svanes fein getimtes Remisangebot nahm Blübaum an.

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Frederik Svane hatte derweil einen Bauern von Dmitrij Kollars erobert, ließ danach aber die Zügel schleifen, sodass Kollars zu ausreichend Spiel für das kleine Materialminus kam. Die Partie mündete in ein trotz Hamburger Mehrbauern ausgeglichenes Turmendspiel.

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36…Lf2! und der weiße König steht auf Matt. 37.f4 hilft nicht. 37…e4 und aus.

Beim Stande von 2:2 war es Deizisaus Topscorer Abhijeet Gupta, der die Weiche auf Sieg stellte. Den zweiten Deizisauer Sieg des Tages sicherte sich Alexander Graf. Mit 8:0 Punkten ist Deizisau blendend gestartet, Hamburg mit 1:7 Punkten das Gegenteil davon – auch eine Folge eines extrem schwierigen Auftaktprogramms.

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Matchwinner Alexander Graf. | Foto: Angelika Valkova

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Nach dem Kantersieg des Vortags ließen es die an jedem Brett nominell überlegenen Solinger am Sonntag ruhiger angehen – zu ruhig, wie sich zeigte. Ausgerechnet Loek van Wely, der am Samstag einen Glanzsieg verbucht hatte, sollte sich die einzige Null des Tages einfangen.

Zoran Jovanovic war auf Kirchweyher Seite des Sieger des Tages. Mit einer Qualität mehr blockte er alle Versuche van Welys ab, die Lage zu verwirren, behauptete das Mehrmaterial und nutzte es, um das Endspiel zu gewinnen. Mit 3,5/4 ist Jovanovic der Topscorer des Teams, das 2,5 Brettpunkte von Tabellenführer Viernheim trennen.

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Im vierten Versuch der ersehnte doppelte Punktegewinn für Mülheim, das damit die rote Laterne abgibt. Für die Bremer fügt sich die Niederlage in ein rabenschwarzes Wochenende, das schon am Freitag damit begonnen hatte, dass ein eingeplantes Großmeistertrio wegen wetterbedingter Anreiseschwierigkeiten nicht in Bremen eintraf.

Immerhin waren die sieben Männer und die Frau von der Weser diesmal zu acht. Lucas van Foreest, der am Vortag wegen eines verspäteten Flugs kampflos verlor, war diesmal mit von der Partie. Einen halben Punkt steuerte er bei. Auch ein ganzer hätte nicht gereicht.

Liam Vrolijk und Volkmar Dinstuhl waren auf Mülheimer Seite die Sieger des Tages. Mit nun zwei Mannschaftspunkten gelang des Team aus dem Ruhrpott sogar der Sprung über den Abstiegsstrich. Die Bremer stehen nach verheißungsvollem Start mit zwei Siegen nun bei 4:4.