März 2, 2024

Zur Vorbereitung (3) aufs Weihnachtsrätsel 2023: Ohne Felder geht nichts

Ohne Felder geht gar nichts


„Feld: Etwas, das Ausdehnung in Raum und Zeit besitzt…“ (Stephen Hawking 1988, S. 226)

Beim Schach kommen noch mentale Verwicklungen hinzu: Braucht man für die Wirkungen der Steine auch die Schachfelder?  Versuchen Sie’s ohne! Wenn es um Bewegung und Wirkung der Schachsteine geht, sind natürlich die Felder, auf denen die einzelnen Steine stehen sowie die Felder auf die sie einwirken und zu denen sie ziehen können, höchst relevant.

Bobby Fischer sagt’s knapp: „Ein Zug ist das Bewegen einer Figur von einem Feld auf ein anderes“ (1974/1981, S. 3).

Verständlicherweise richtet sich die Aufmerksamkeit der Spieler besonders auf die Figuren. Im Gegensatz zu den Steinen kann man ja die Felder nicht bewegen. Trotzdem läuft bzw. zieht ohne Felder gar nichts im Schach.


Im Vergleich zu den verschiedenen Figuren mit ihren diversen Möglichkeiten sind Felder eher unspektakulär. Klar, Zentrumsfelder, vielleicht ein Lieblingsfeld für den Springer im gegnerischen Lager…

Was soll man sonst noch sagen, es gibt 32 weiße und 32 schwarze quadratische Felder auf dem Brett, die abwechselnd aufeinander folgen und auf acht senkrechten Linien sowie acht waagrechten Reihen angeordnet sind. Doch dabei übersieht man leicht ihre enorme Bedeutung.

Eine Figur hat nur Wirkung, wenn sie auf einem Feld steht. Während sogar leere Felder für eine Partie entscheidend sein können. Ein Brett völlig ohne Steine hat wiederum keine Wirkung, weder Dynamik noch relevante Information.

The Scene of Action: Ein ganzheitliches System


Benjamin Franklin bezeichnete das Geschehen auf dem Brett als „scene of action“ (1779/1986, S. 233),  Am besten stellt man sich Felder und Steine als verwickelte (mental verschränkte?) Einheit vor: Beim Brett auf dem Tisch oder auf dem Bildschirm oder im kognitiven Spielfeld Gehirn.

In der Physik ist das Feldkonzept zentral

Einstein brachte bei seinem Versuch Relativitätstheorie mit Quantenmechanik zu verbinden das Konzept „Feld“ ins Spiel. „Ein neuer Begriff taucht in der Physik auf, der bedeutendste Gedanke seit Newton: das Feld“ (Einstein & Infeld 1950/1987, S. 216).

[Bedauerlicherweise meinten die beiden Physiker damit nicht das Schachfeld 🙂 . Interpretiert man die Namen der zwei  Autoren kreativ, kann man eine Anspielung auf Schach nur relativ unscharf ausschliessen.]

Aber im Ernst: Einstein wollte mit dem Feldbegriff „zu einer reinen Feldphysik“ kommen (S. 218), was ihm nicht gelang. Als er dies noch hoffte, schrieb er zusammen mit seinem Mitautor „vorläufig müssen wir also noch beides als gegeben hinnehmen: Feld und Materie“ (Einstein & Infeld 1950/1987, S. 218). Schachbrett und Steine (Material) hören sowas gerne!

Felder, die die Welt bedeuten

Im Hinblick auf Einstein schreibt Physikprofessor Rovelli zum elektromagnetischen Feld: „Das Feld ist eine allgegenwärtige reale Entität, die die Radiowellen trägt, den Raum füllt, wie die Oberfläche eines Sees wogen und schwanken kann, und die Elektrizität ‚ringsum verteilt‘ “ (2017, S. 15).

Ein Meisterwerk der Physik ist die komplizierte Quantenfeldtheorie, die allerdings selbst von vielen Physikern nicht verstanden wird. Wenn ich mal mutig bin, versuche ich mittels Schach, Figuren und Feldern eine einfache Beschreibung.

 Wird fortgesetzt
Copyright Dr. Reinhard Munzert, 2023