Juni 25, 2024

Schach, Relativität, Quanten, neuronale Netze, Information und eine (un)mögliche Kombination auf der Suche nach Wirklichkeit (2)

 

 Relativität im Schach – und sonst?


„Einsteins Relativitätstheorie wurde zur gleichen Zeit formuliert, da Lasker am Schachbrett nach dem relativ besten Zug trachtete. Beide sahen auf ihre Weise, daß sowohl im großen Universum als auch auf dem kleinen Schachbrett alle Wertmaßstäbe vom Bezugssystem abhingen“ (Prof. Joachim Petzold, Das königliche Spiel 1987, S. 227).

Ähnlich wie Einstein revolutionierte Lasker die Grundlagen seines Fachgebietes, besser gesagt, er beschleunigte die Evolution des Schachs.

Meine kleine Kombination von Schach und Quantenphysik wird nun bei der Suche nach Wirklichkeit von der Schachrelativität überlagert. Die ausführlichen Grundlagen hierzu sind schon vorhanden:

 

https://www.chess-international.com/?p=74605


 https://www.chess-international.com/?p=75267


https://www.chess-international.com/?p=74155

Rückblick und Vorausschau

In weiteren Beiträgen werden wir eine Verbindung zwischen Schachrelativität, quantenzentrierter Schachbetrachtung und Empfehlungen zum mentalen Vorgehen bei der  Vereinigung der Physik versuchen. 

Zum Einstieg können Sie sich den Weltraum als unendliches Schachbrett vorstellen, Materie als Schachfiguren und Sie spielen mit.

Schach und Quantenverschränkung auf Entfernung (Update 2022)

Das Wesentliche für unser jetziges Thema folgt in den nächsten Beiträgen.

Kurz erwähnt sei, dass die beiden Hauptsäulen der modernen Physik: Relativitätstheorie und Quantentheorie noch nicht vereinigt werden konnten. Für viele Physiker wäre die entsprechende vereinheitlichte Theorie, der heilige Gral ihrer Wissenschaft.

Lasker: absolut lebendig

Dr. Emanuel Lasker war von 1894 bis 1921 Schachweltmeister und ein Pionier auf dem Gebiet des psychologischen Schachs. Er war der erste große Meister der nahezu alles in Relation zum Gegner beurteilte. Diese Denkweise, heute eine Selbstverständlichkeit, war damals ziemlich revolutionär. Heute spielt er bei vielen von uns noch mit!

Der Einstein des Schachs / Ergänzung von Prinzipien

Schachmeister Spielmann (1936/1989, S. 3) nannte Steinitz den Newton des Schachspiels (weil jener allgemeine Schachprinzipien aufstellte). Wenn ich diesen Vergleich aufgreifen darf, könnte man Lasker als den Einstein des Schachs bezeichnen. Er erkannte, dass im Schach vieles relativ ist – vor allem zum Gegner. 

Der schachspielende Philosoph machte oft starke und feine Schachzüge, die eine Art Relativitätstheorie des Schachs verkörperten.

Der Weltmeister brachte nicht selten den relativ zum Gegner besten Plan und Zug. Er beachtete strategische, taktische und psychisch-psychologische Gesichtspunkte gleichzeitig und wusste um die Relativität aller Faktoren. Aufgrund seiner Berücksichtigung der Persönlichkeit, der Vorzüge und Schwächen seiner Kontrahenten entstand etwas, das man als „Relativitätstheorie des Schachzuges und -planes“ bezeichnen kann.

Diese besagt: Viele Züge sind nicht an sich gut oder schlecht, sondern erweisen sich erst in Hinblick auf den Gegner als ausgezeichnet, gut oder ungünstig! In den meisten Positionen gibt es mehrere akzeptable Zugmöglichkeiten. Man sollte unter diesen die – relativ zum Kontrahenten – erfolgversprechendste auswählen. Nicht der – objektiv betrachtet – richtigste Zug ist stets der Beste! 

Schachlicher Realismus / Wirkung und Relativität

Der Schachphilosoph sprach oft und schrieb über gesunden Menschenverstand und Psychologie.

„Nur ein bisschen gesunder Menschenverstand und angewandte Psychologie“ erklärte Lasker lächelnd auf die Frage nach dem Geheimnis seiner großen Erfolge (in Assiac 1974, S. 237).

Allerdings fand ich bei Lasker keinen Gebrauch der Begriffe relativ oder Relativität in Hinblick auf Schach.

Seine folgenden Ausführungen verdeutlichen meines Erachtens dennoch sein relativistisches Denken und Handeln. Im Buch „Das Schachspiel“ (1931) führt er bei der Beschreibung der Wirkungsweise der Schachfiguren (mit Rückgriff auf die Nibelungensage) aus (S. 39): „Wirkung, die auf einen Feind stößt, der für sie empfänglich oder empfindlich ist, ist das, was ich unter Kraft verstehe. Kraft ist gleichsam das Produkt von Wirkung und Empfindlichkeit. So äußert sich die Kraft im Kampfe: sie wächst sowohl mit dem Grade der Wirkung als auch mit dem Maß der Empfindlichkeit. Also etwa: eine gegen Siegfried gezückte Waffe war kraftlos, sofern sie nicht, wie in der Hand Hagens, gegen seine verwundbare Stelle eingesetzt ward.“

Laskers Relativitätstheorie des Schachzuges und -planes


Deshalb bin ich zur Ansicht gelangt, dass man, um die Verdienste Laskers auf diesem Gebiet zu würdigen und um die relativistischen Aspekte und Faktoren des komplexen Spiels hervorzuheben, durchaus von seiner Relativitätstheorie des Schachs sprechen könnte und vielleicht sogar sollte. 

Wie man sieht, geht es hierbei nicht um Gravitation oder Lichtgeschwindigkeit, und auch nicht um Quanten; eher um ein mentales Bezugssystem in Hinblick auf relative Wirkungen im Schach.

Greene bemerkt zur Relativitätstheorie der Physik (2000, S. 19-20): „Nach der speziellen Relativitätstheorie dürfen wir uns Raum und Zeit nicht mehr als einen universell festgelegten Rahmen vorstellen, den jeder auf die gleiche Weise erlebt.“ Ähnliches gilt auch für (subjektive) Schachbetrachtungen. 

Gleichwohl ersann Einstein ein Bezugssystem, das für alle Bewegungen galt. Lasker entwickelte (s)ein spezielles Konzept, mit dem er alle möglichen Gegner und besondere Umstände berücksichtigte und mit entsprechenden eigenen Schachaktivitäten in Beziehung setzte. Sein subjektives Konzept wurde mittlerweile in den Köpfen und Zügen von unzähligen SchachspielerInnen realisiert und bewusst oder unbewusst zu einem Denk- und Handlungs-Prinzip 

Wird ausführlich fortgesetzt

Dr. Reinhard Munzert

Copyright Dr. R. Munzert 2023