Mai 22, 2024

GEHIRN: Mentales Material, neuronale Netze und kognitives Spielfeld (I)

 

 

 GEHIRN: Mentales Material, neuronale Netze und kognitives Spielfeld (I)

“ …ein kostbarer Apparat mit einem komplizierten, geheimnisvollen Mechanismus“, so beschreibt der Schriftsteller V. Nabokov das Gehirn eines Schachgenies (1979, S. 142).

 


Das Gehirn stellt internes Spielmaterial und kognitives Spielfeld in Einem dar. Wir werden es auf mehreren Ebenen betrachten und springen dabei hin und her.

Es sei betont, dass Strukturen und Vorgänge – ProStructures – der Übersicht halber zunächst [künstlich] getrennt dargestellt werden, im psychischen Geschehen und beim Handeln aber integrativ zusammenwirken. Eines steht fest, die zentralen Vorgänge finden im Gehirn statt, fangen wir damit an:

Die materielle Basis menschlichen Schachspielens – oder sollte man eher von geistiger Grundlage sprechen – ist das Gehirn. Unser wirkungsvollstes Organ ermöglicht Denken, Gefühl, Motivation und Handeln – auch Schachgedanken, deren Durchspielen und selektive Verwirklichung.

SchachNexus

Anbindung der Figuren an die Spieler und vice versa: SchachNexus 

Die zentrale Wechselwirkung sei kurz zusammengefasst: Die Vorgänge im Kopf der Spieler beeinflussen die Geschehnisse auf dem Brett und umgekehrt. Wenn zwei Dinge zusammenhängen und dies betont werden soll, wird oft die Analogie von den beiden Seiten einer Medaille bemüht. Im Fall des Schachs könnten wir von den zusammengehörenden Faktoren, Mechanismen und Phänomenen des inneren und des äusseren Spiels sprechen. Es wäre verlockend hier bereits von Verschränkung im Schach zu reden, aber ich will lieber einen anderen Begriff wählen. Den Zusammenhang zwischen Schachspieler und Figuren auf dem Schachbrett und im kognitiven Spielfeld Gehirn – einschliesslich der Schachregeln – nenne ich SchachNexus (Nexus aus dem latein. für Verknüpfung, Verkettung usw., gab es schon vor dem Gadget). 

Auch Kraft und Wirkungen der Figuren entstehen erst durch diesen SchachNexus; für die Existenz durch Verknüpfung schlage ich den Begriff NEXistenz vor. 

Rätselhaftes Gebilde mit gigantischen Leistungen

Nicht nur das entscheidende Organ eines Schachmeisters ist ein rätselhaftes Gebilde, in jedem Menschenhirn spielen sich faszinierende Vorgänge ab – mit relativ wenig Energieverbrauch. Das Hirn ist das komplexeste Gebilde, das menschliche Gehirne bislang im Kosmos entdeckt haben. 


In einem einzigen Kopf existieren mehr Nervenzellen, als Menschen auf der Erde leben. Diese sind in neuronalen Netzwerken verbunden. Neuronen, also Nerven- bzw. Gehirnzellen und deren Verbindungen, Nerven und Synapsen, sind die Basis unbewusster und bewusster Hirntätigkeit (vor allem Erregungsleiteiung, Signal- &  Informationsverarbeitung) und damit unabdingbare Grundlage allen menschlichen Erkennens, Erinnerns, Lernens, Planens, des Bewusstseins und unzähliger Aktivitäten und Handlungen, wie Problemlösen und Schachspielen.

In Köpfen und Händen von kreativen Menschen entstand auch das Schach und wird stets weiterentwickelt. Die im Menschen verwirklichte Kombination von Gehirn und Schachspielen ergibt eine Orgie an Komplexität und Möglichkeiten.

Verbindungen zwischen Gehirn, Nervensystem und dem ganzen Menschen


Zwischen Gehirn und Nervensystem sowie dem ganzen lebenden Menschen und seinen Handlungen bestehen vielfache Verbindungen und Wechselwirkungen. Man sollte nicht übersehen, dass unser oberstes Zentrum in das Gesamtsystem Mensch höherliegend eingebettet ist. Sinnesorgane und Nervensystem durchziehen den ganzen Körper. Beim Handeln ist der Körper Ausführungsorgan. Das Hirn allein wäre ohne den Körper des Menschen weder lebens- noch handlungsfähig. Ein Gehirn hat kein Herz und keine Lunge, keine Arme und Beine.

Für viele Fragestellungen zum Gehirngeschehen mag es genügen, das ohnedies schwer fassbare „Wundergewebe“ allein zu betrachten. Bei den Themen Schachspielen, Hirn und Quantenprozesse, Bewusstsein und Unbewusstes, freier Wille und Handeln ist es empfehlenswert den Menschen als ganzheitliches System zu berücksichtigen. „Der Mensch ist mehr als sein Gehirn….“ (Rohracher 1947, S. 1). Menschen handeln als Ganzes. Manche Autoren behaupten sogar: „Der Körper denkt mit“ und Gehirnforscher Damasio erklärt, „dass Ihr Gehirn sehr genau beobachtet, was der Körper tut“ (beide Zitate in Schnabel und Sentker 1997, S. 108-109).

Springen wir von der globalen Betrachtungsebene des Gehirns zur unteren biologisch-psychischen Ebene, den neuronalen Netzen: Auf einer noch tieferen Ebene kommen wir in den Bereich der Quantenphysik.

Neuronale Netze im menschlichen Gehirn

Das Spielmaterial im kognitiven Spielfeld des Schachspielers sind vor allem Neuronen und deren Verknüpfungen, den neuronalen Netzen. In unserem erstaunlichsten Körperteil befinden sich etwa 100 Milliarden [jemand hat genau nachgezählt, es können sogar noch mehr sein] Gehirnzellen, die mittels unzähliger Verknüpfungen zu Netzen verbunden sind, wichtige Funktionen erfüllen und beeindruckende Leistungen erbringen. Entsprechende Beispiele sind Mustererkennung, Gedächtnis,  Arbeitsgedächtnis, kognitive Analyse, Strategien, die bekanntlich auch für Schach hochrelevant sind. Siehe das SCHACH-Prozess-Modell:

Dr. Reinhard Munzert

Schach und Quantenphysik: Das SCHACH-Prozess-Modell (Update 2023)