Mai 18, 2024

Münchener Teams im Abstiegskampf

Hartmut Metz – „Die Bundesliga ist stärker als im Vorjahr“, stellt Jörg Wengler fest, weil es „keine schwache Mannschaft gibt“. Das musste der Schach-Abteilungsleiter des FC Bayern München in Baden-Baden erkennen.

Schnellschach-Vizeweltmeister Vincent Keymer (rechts) schlägt den Angriff des Iraners Amin Tabatabaei im Bayern-Dress ab und verwertet sicher das erreichte Turmendspiel. | Fotos: Hartmut Metz

Die 3:5-Niederlage gegen die gastgebende OSG führte dabei nicht zu dieser Einschätzung. Schließlich verkaufte sich der FCB gut und hatte laut Wengler gegen den Serienmeister „zeitweilig Chancen“. Doch der Baden-Badener „Starstürmer“ Arkadij Naiditsch brachte den Tabellenführer (14:0 Punkte) mit einem taktischen Schlag über seinen Großmeister-Kollegen Klaus Bischoff in Front. „Das Opfer auf e3 hatte ich nicht im Fokus“, gestand Bischoff und gab danach bald auf, weil seine zuvor scheinbar feste Stellung nach dem Damentausch wie ein Kartenhaus zusammenstürzte. Naiditsch verbesserte so seine Saisonbilanz auf vier Siege und nur ein Remis. Auch tags zuvor hatte der ehemalige deutsche Nationalspieler, der für Aserbaidschan gemeldet ist, die Stellung von Alexander Graf regelrecht zertrümmert. So ebnete er den Weg zum letztlich doch deutlichen 6:2 im Spitzenspiel gegen die SF Deizisau (10:4).

Vincent Keymer sicherte nach sechs Remis an den anderen Brettern den Erfolg der Kurstädter ab. Der Iraner Amin Tabatabaei attackierte den 18-Jährigen Schnellschach-Vizeweltmeister zwar fulminant, aber verlor den Faden. Hernach diskutierten die beiden Weltklasse-Großmeister, die zuletzt in Wijk aan Zee im Einsatz waren, vor dem Spielsaal das Duell ohne Brett, kamen aber auch nicht zu einem endgültigen Schluss, ob der schwarze Angriff den Bauern wert war. So drang ein Springer auf d3 mit Schach ein, was Keymer nach langem Nachdenken zuließ. Die ultimative Einschätzung kann wohl erst „eine Schach-Engine“ geben, waren sich Keymer und der Iraner in Münchner Diensten angesichts der wilden Stellung einig. Erst im Turmendspiel war sich Keymer seiner Sache „sicher“.

Münchner knapp vor den Abstiegsplätzen

„Viel wichtiger“ für die Bayern war am Samstag der hauchdünne 4,5:3,5-Sieg an gleicher Stätte gegen Schlusslicht TSV Schönaich (0:14), was Wengler zu seiner Einschätzung brachte. Tabatabaei und der Spanier Miguel Santa Ruiz führten ihr Oktett gegen Milos Perunovic und Julijan Plenca auf die Siegerstraße. Am achten Brett zog der Schwede Martin Lokander den Kürzeren im Vergleich mit Jadranko Plenca. Mit 5:9 Punkten liegt der FCB als Tabellenelfter knapp vor den vier Abstiegsplätzen.

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Der Schweizer Oliver Kurmann ließ in einer ellenlangen Variante gegen Alexander Donchenko, der in Wijk aan Zee souverän das B-Turnier gewann, nichts anbrennen und sicherte sich mit Schwarz einen halben Punkt.

Noch dichter rückte Lokalrivale Münchener SC 1836 an diese heran. Bei jeweils 4:10 Zählern trennt den Tabellenzwölften nur ein Brettpunkt vom SV Werder Bremen. In der noch größeren Hansestadt, beim Hamburger SK, kassierte der MSC 1836 zwei bittere Niederlagen im Kampf um den Klassenerhalt. Bei der klaren 2,5:5,5-Niederlage im Duell der beiden großen deutschen Traditionsvereine gönnten die Hamburger den Münchnern lediglich fünf Remis. Beim 3:5 gegen SK Doppelbauer Turm Kiel war die Mannschaft von Michael Reiß an den letzten vier Brettern zu schwach. Den drei Niederlagen von Leonardo Costa, Nikola Radovanovic und Branko Tadic stand lediglich ein einziger Sieg gegenüber: Ivan Saric schlug Anton Demchenko und bleibt neben Spitzenspieler Pawel Eljanow in dieser Saison ungeschlagen.

Wengler zeigt sich überzeugt, dass es im „Abstiegskampf total eng bleibt. Da kann sich keiner ganz sicher sein. Der Klassenerhalt wird erst am letzten Spieltag entschieden“, glaubt er mit Blick auf die Vereine ab Platz sechs, die mit 7:7 Punkten nur zwei Zähler von den Bayern entfernt liegen.