April 20, 2024

Schach und Quantenphysik (4) – Denk- und Spielmaterial (VII): Existieren Quanten wirklich?

 

Schach und Quantenphysik (4) – Denk- und Spielmaterial (VII):

Existieren Quanten (wirklich)?

„Es war, wie wenn einem der Boden unter den Füßen weggezogen worden wäre…“ Albert Einstein, zit. nach Kumar 2009, S. 17.

 

Eine erstaunliche fundamentale Frage der Quantenphysik lautet: Gibt es Quanten auch, wenn man sie nicht beobachtet?

Mysteriöses aus Kopenhagen

Bohr, seine Kollegen und internationale Gäste am Kopenhagener Institut für theoretische Physik schufen nach langer Forschung, physikalischer und philosophischer Diskussion die Kopenhagener Deutung der Quantenphysik. Eine zentrale Annahme besagt: Erst durch Beobachtung / Messung wird eine Möglichkeit zur Realität, z.B. bei Elektronen und Photonen (oder dem Mond). „Gemäss Kopenhagener Deutung besitzen Teilchen keine unabhängige Wirklichkeit, keine Eigenschaften, solange sie nicht beobachtet werden“ (Kumar 2009, S. 376).

Einstein hingegen und viele andere sahen und sehen es als Aufgabe der Physik an, konkrete Aussagen über die Realität zu machen (Pagels 1983, S. 91 oder Kumar 2009, S. 421).

Nicht ganz so radikal ist die Frage: Was machen Quanten, wenn sie nicht beobachtet, gemessen oder gefragt?! (siehe unten) werden.

Bohr wiederum, erläutert besonders in Hinblick auf Atom- bzw. Quantenuntersuchungen: „…wir müssen uns daran erinnern, daß das was wir beobachten, nicht die Natur selbst ist, sondern Natur, die unserer Art der Fragestellung ausgesetzt ist“ (nach Heisenberg 2014, S. 60).

Prof. Zeilinger, Nobelpreis für Physik 2022, Anhänger der Kopenhagener Denkrichtung, betont: „Ich glaube, dass uns die Quantenphysik etwas ganz Tiefes über die Welt erzählt. Nämlich, dass die Welt nicht unabhängig von uns so ist, wie sie ist. Dass die Eigenschaften der Welt in einem gewissen Sinn von uns abhängen“ (Link Weltwoche).

Das passt sehr gut zu meinem Ansatz, der Schach und Quantenphysik verbinden will. Besonders ermutigend hierfür ist überdies folgende Ausführung von Nobelpreisträger Wilczek (2013): „Die moderne Quantentheorie bekräftigt Bohrs Idee, dass das, was man sieht, davon abhängt, wie man es sich ansieht…“ (spektrum).

Was machen eigentlich Schachfiguren, wenn man nicht mit ihnen spielt? Haben sie nur Wirkung auf den Feldern? Immerhin existieren sie auch im Kasten! Und im digitalen Kasten sind sie wieder Quanten mit ihrer unsicheren Existenz.

 

Existenz durch Befragung/Fragen !?

Manche Quantenforscher stellen Fragen direkt, ganz persönlich :-), an die Quanten. Dazu der eminente Quantenforscher Zeilinger: „Ich habe mit der Quantenphysik gelernt, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen! Je nach Frage steuert unsere Wirklichkeit in eine bestimmte Richtung. Wenn ich etwa ein Elektron frage: ‚Bist du ein Teilchen?‘, dann wird es antworten: ‚Ja, ich bin ein Teilchen!‘ Wenn ich es frage: ‚Bist du eine Welle?‘, dann wird es sagen: ‚Ja, ich bin eine Welle!‘ Wenn es einmal gesagt hat, es ist eine Welle, dann kann es nicht auch Teilchen sein – obwohl das vor der Frage möglich gewesen wäre. Ich entscheide also durch meine Frage, welche Möglichkeit Wirklichkeit wird.“ [http://diepresse.com] – Natürlich ist die „Befragung‘ von Quanten hier im übertragenen Sinne gemeint.

Altmeister Wheeler fragte: „Why the quantum?“ Zeilinger anwortert: „Weil die Information über die Welt quantisiert ist“ (2005 a, S. 226).

Dr. Reinhard Munzert