Dezember 3, 2022

Laras Blog: U20-Weltmeisterschaft – Gute erste Hälfte im sonnigen Sardinien

 
 
 
Halbzeit bei der Junioren Weltmeisterschaft. Das bedeutet, es ist wieder höchste Zeit für einen Blogeintrag.
 
Die Junioren Weltmeisterschaft findet dieses Jahr auf Sardinien, Italien statt; genauer gesagt in einer Hotelanlage in Cala Gonone. Also reiste ich am 10. Oktober nach Sardinien, wo ich, mit einer Zwischenübernachtung in Olbia, dann den Bustransfer des Ausrichters nutzte und nach einer langen kurvigen Fahrt durch die Berge im 100km entfernten Cala Gonone wohlbehalten und motiviert ankam. Es ist ein wirklich schöner Austragungsort für eine solche Meisterschaft: direkt zwischen Meer und Bergen.
 
Aus Deutschland sind vier Spieler dabei: Jana Schneider, Luisa Bashylina und ich bei den Frauen und Frederik Svane bei den Männern/Offen. Als Trainer ist Dmitrij Kollars dabei, der uns mit vielen guten Ideen und Varianten bei der Vorbereitung versorgt.
 
 
 
 
 
 
 
 
In der ersten Runde bekam ich es mit Giulia Sala aus Italien zu tun. Lange war unsere Italienisch-Stellung ziemlich ausgeglichen, bis ich einen netten Durchbruch entdeckte: 32.f6 !? ist trickreich, denn meine Gegnerin darf den Bauern nicht nehmen, sondern muss g6 finden, um den Ausgleich zu halten.
 
 
 
 
 
 
 
 
Glücklicherweise schlug meine Gegnerin den Bauern aber, was zu einem netten Qualitätsopfer mit anschließendem Damenfang führte: 32…Sxf6 33.Txf6 gxf6 34.Tf5 und die Drohung Th5 mit Damenfang ist nicht abzuwehren. Ein guter Start ins Turnier.
 
 
 
Meine zweite Gegnerin war Ronit Levitan aus Israel. Ich kam in ein Turmendspiel mit Mehrbauer, doch mein Turm stand sehr passiv, um den Mehrbauern zu decken. Ich versuchte einiges, um meinen Mehrbauern letztendlich zu verwerten: zuerst aktivierte ich meinen König so gut es ging, danach gab ich den Mehrbauern für einen aktiveren Turm zurück, legte dann ihre Bauern am Königsflügel günstig fest und konnte so wieder einen Mehrbauern ergattern. Zum Schluss musste ich noch die berühmte Brücke über die 4. Reihe bauen und nach 86 Zügen stand der Sieg fest.
 
Runde 2 und 3 war die einzige Doppelrunde im Turnier, daher musste ich nach meiner 6 Stunden-Partie am Vormittag auch nachmittags nochmal ran ans Brett.
 
Es kam zum innerdeutschen Duell zwischen Jana und mir. Nach etwas Verwirrung mit der Zugreihenfolge in der Italienischen Eröffnung, entstand zunächst eine spannende, aber für mich etwas unangenehme Stellung. Danach verflachte es aber schnell in ein komplett ausgeglichenes Endspiel, sodass wir im 30. Zug direkt Remis vereinbarten (bis zum 30. Zug gilt die Sofia-Regel und es darf vorher kein Remis vereinbart werden).
 
In Runde 4 spielte ich mit Schwarz gegen die Topgesetzte Nurgyul Salimova aus Bulgarien. Sie spielte ein scharfes Bauernopfer gegen mich, wonach sich ein spannender Kampf zwischen Material und aktiveren Figuren bzw. Felderschwächen entwickelte. Nachdem ich aber die richtige Verteidigung gegen ihr Dame-Springer-Duo, das sich auf meinen König stürzte, nicht fand, musste ich mich leider geschlagen geben.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Danach kam ich gegen Nazerke Nurgali aus Kasachstan dran. Das Ende der Partie war absolut aufreibend: ich hatte in der Eröffnungsphase deutlich zu viel Zeit verbraucht und war nur noch bei etwas über 5 Minuten für 12 Züge. Dann spielte sie den Zug 28…g5.
Ich dachte hier über den hübschen Zug Te5 nach. Unter Zeitdruck kam ich dann aber zu dem Schluss, dass ich ja auf g5 nehmen könnte und sie bestimmt nicht mehr als Dauerschach hätte, natürlich absoluter Murks :D. Sie spielte Dh2+ Kf2 und dachte dann 23 Minuten nach. Diese vollen 23 Minuten zitterte ich, denn ich sah auf einmal viele vielversprechende Möglichkeiten für meine Gegnerin und bekam sehr große Angst um meinen König. Beispielsweise steht Schwarz nach Lf4 auf Gewinn. Ich hoffte einfach nur noch, dass sie vielleicht auch wegen der Komplexität der Stellung den Faden verliert und das Dauerschach gibt. Glücklicherweise wiederholte sie tatsächlich die Züge und ließ mich mit einem halben Punkt davonkommen. Übrigens wäre statt fxg5 der Zug Te5 tatsächlich stark gewesen, allerdings war der Zug g4 noch viel stärker. Nach hxg3 kann man dann wirklich auf g5 nehmen, da die Dame nicht mehr nach h2 kommt.
 
In Runde 6 war die Kroatin Annamaria Radikovic meine Gegnerin. Ich spielte eine schöne Partie, bei der ich erst einige Schwächen am Königflügel provozierte, dann auch noch ihre Schwächen am Damenflügel aufs Korn nahm und schließlich einen überzeugenden Sieg einfahren konnte.
 
 
 
 
 
 
 
Damit stehe ich bei 4/6 und leichtem Elo-Plus, womit ich bisher zufrieden bin. Frederik führt mit 5/6 das Turnier der Männer/offen an und auch bei Jana und Luisa lief es bisher gut: Jana steht bei 4,5/6 und Luisa bei 3/6 und gutem Elo-Plus.
 
 
 
 
 
Heute war der freie Tag ohne eine Partie. Wir nutzen den Tag für Kartenspiele am Strand, Kartenspiele auf dem Balkon, einen Spaziergang durch Cala Gonone, noch mehr Kartenspiele und natürlich auch für die Vorbereitung auf die Runde morgen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Für mich geht es als nächstes gegen Maili-Jade Ouellet aus Kanada. Die Runden finden jeden Tag um 15:30 Uhr statt und können live u.a. auf chess24 verfolgt werden.
 
Ich setze auf euer Daumendrücken! 😊
Bis bald, eure Lara
 
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