November 26, 2022

Schach und die Dichtkunst

Schach ist Kunst. Da ist es kein Wunder, dass auch die Anhänger des königlichen, 64-feldrigen Spiels manchmal von der Muse geküsst werden.

Schon zu frühen Zeiten war das Schachspiel Gegenstand der Dichtkunst. So gilt beispielsweise das „Einsiedler Schachgedicht“, das zwischen 900 und 950 verfasst worden sein soll, als das erste schriftliche abendländische Zeugnis des Schachspiels (Quelle: Versus de Scachis – Wikipedia).

Auch die Erstarkung der Dame zur wichtigsten Figur im ausgehenden Mittelalter wurde mit einem Reim beurkundet. Das Gedicht „Liebesschach“ (Schachs dámor) wurde in katalanischer Sprache verfasst und datiert irgendwo zwischen 1470 und 1490 (Quelle: Scachs d’amor – Wikipedia) .

Aus neuerer Zeit ist vor allem das Gedicht „Das Schach“ von Christian Morgenstern bekannt, der Schach darin als „der Spiele Spiel“ bezeichnet.

Aber auch heute noch gibt es in Deutschland einige Schachspieler, die die Dichtkunst beherrschen und ihr Lieblingsspiel in Poesieform präsentieren. Dazu gehören folgende Namen:


  • Dagobert Kohlmeyer: Der legendäre Schachjournalist (geb. 1946) führte u.a. Interviews mit Gorbatschow oder Richard von Weizsäcker. 2006 wurde er mit dem Deutschen Schachpreis ausgezeichnet. 64 seiner Schachgedichte veröffentlichte er in dem Werk mit dem Namen „Schachgeflüster“ (nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Podcast). 

  • Alexander Frenkel: Frenkel stammt aus der ukrainischen Schachhochburg Charkiw. Seit 1993 lebt er in Deutschland und betreibt seit dem Jahr 2005 die Schachschule München. Bekannt ist er auch durch die Marke „Warum Schach“, unter der er illustrierte Bücher, Schachweihnachtskarten, Schachkalender und mehr herstellt. Zu seinen Werken gehört auch ein Gedichtsheft namens „Bauerndiplom“. Darin werden in Gedichtform die Schachregeln für Anfänger erklärt und zudem kleinere Aufgaben gestellt. 



  • Martin Hahn: Unter seinem Pseudonym Nathan Rihm (ein Anagramm seines Namens) hat Martin Hahn bereits zwei Gedichtbände veröffentlicht. Als leidenschaftlicher Schachspieler verfasst er aber auch Schachgedichte. Sein Fundus umfasst über 200 königliche Poesiewerke. Daher spielt er auch mit dem Gedanken, seine Schachgedichte als Buch zu veröffentlichen.
    Für den Schachgeflüster Podcast hat Martin Hahn vor kurzem den Deckel seiner Schatztruhe gelüftet und ein Gedicht mit dem Namen „Ohne Dame“ selbst vorgetragen. Eine Fortsetzung der Reihe ist geplant.

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