In der zweiten Hälfte der 1970er Jahre gehörte er zu den besten Schachspielern der Welt: 1977 lag er mit Lew Polugajewski und Exweltmeister Michail Tal auf Platz 6 der Weltrangliste. Nach seiner Übersiedlung 1985 in die Bundesrepublik Deutschland kam er 1988 erstmals in der deutschen Nationalmannschaft zum Einsatz und erzielte bei der Schacholympiade in Saloniki am ersten Brett ein hervorragendes Ergebnis von 8 aus 12. Heute wird Vlastimil Hort 75 Jahre alt und wir gratulieren ihm dazu auf das Herzlichste!

Hort wurde am 12. Januar 1944 in Kladno, einer Industriestadt 25 km nordwestlich von Prag geboren. Zum Schachspiel kam er im Alter von 5 Jahren durch einen Aufenthalt im Krankenhaus, wo er mit Fieber zwei Monate in Quarantäne lag. Ein Arzt, der in den Nachtschichten seine Fernschachpartien analysierte, brachte ihm die Regeln bei und löste damit eine Entwicklung aus, mit der nie zu rechnen war. Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus mußte sich Hort’s Mutter sofort auf die Suche nach Spielpartnern machen. In der Nachbarschaft fand sie einen etwa 60-jährigen Kaninchenzüchter, der sich bereit erklärte, mit ihrem Sohn Schach zu spielen. Im Gegenzug mußte der kleine Vlastimil aber beim Füttern der Kaninchen helfen.
In der ersten Partie mit dem Nachbarn hatte er Schwarz und wurde mattgesetzt. Zuvor hatte sein Gegner auf f6 einen Bauern en passant geschlagen, einen Zug den Vlastimil von dem Arzt nicht gelernt hatte. Weinend berichtete er seiner Mutter später von dem “Betrug”.

Vlastimil Hort entwickelte sich in den nächsten Jahren sehr gut. Er wurde nicht nur besser im Schach und lernte viel über die Kaninchenzucht, sondern er war auch sehr interessiert an anderen

Vlastimil Hort (16) in Leipzig – Turnierbuch/johannes-fischer.net

Sportarten. So spielte er in seiner Heimatstadt als Torwart beim Eishockey und hatte mit dem späteren Nationalspieler František Pospíšil einen prominenten Spieler in seiner Jugendmannschaft. Hort: “Ich habe ihn immer ausgeschimpft, das er zu langsam ist.” Ambitionen es im Eishockey zu etwas zu bringen hatte er aber nicht, zumal der Sport sehr anstrengend war. Ganz im Gegensatz dazu Schach, wo er sich ohne Trainer autodidaktisch mit relativ wenig Aufwand, zu einem sehr guten Spieler entwickelte. In Kladno gab es zwei Schachvereine, wo er hervorragende Fortschritte erzielte. Hort zählte damals zu einer goldenen Generation der tschechischen Schachspieler, mit Namen wie Lubomir KavalekMichael Janata (U20-Vizeweltmeister 1963), Jindřich Trapl (1942–2010 – Hort: “Der tschechische Tal”), Josef Augustin oder Vlastimil Jansa. Hort: “Ich will nicht sagen, ich war König da. Sie hatten aber Respekt, weil ich spielte am wenigsten Theorie.” (ChessBase-Interview 2014, sh. unten)

Bereits mit 16 Jahren war Hort stark genug um bei der Schacholympiade 1960 in Leipzig für die ČSSR zu spielen. Die beiden Großmeister Ludek Pachman (1924-2003) und Miroslav Filip (1928-2009) spielten an den Brettern eins und zwei, IM Jiri Fichtl(1921-2003) an Brett drei. Hort erzielte in Vorrunde und A-Finale ein Ergebnis von 7½ aus 13. Die ČSSR belegte Platz 5 – noch vor den beiden deutschen Mannschaften, die Achter (GER) und Neunter (DDR) wurden.

Vom 29. März bis 5. April 1970 war Hort für eine Weltauswahl nominiert, bei der in Belgrad die besten zehn nichtsowjetischen Schachspieler auf eine Auswahl der UdSSR trafen. Die sowjetischen Schachspieler dominierten zu dieser Zeit die Weltrangliste und konnten an allen Brettern neben dem amtierenden Weltmeister Boris Spasski, viele ehemalige Weltmeister und WM-Kandidaten aufstellen. Hort saß an Brett 4 Lew Polugajewski gegenüber, den er mit 2½:1½ besiegte. An den vorderen Brettern erwies sich die Weltauswahl als überlegen, doch im Unterhaus bogen die UdSSR-Spieler das Ergebnis wieder gerade und siegten mit 20½:19½.
In diesem Wettkampf standen die ersten drei Bretter der Weltauswahl mit Larsen, Fischer und Portisch schnell fest. Um Brett vier gab es einen Streit zwischen Reshevsky und Najdorf. Bei einem Zusammentreffen aller Kandidaten sprach Fischer ein Machtwort: “Vlasti, you will be force”.

ANGRIFF AUF DIE KRONE IM WELTSCHACH

Vlastimil Hort’s Weg in den WM-Zyklus nach der kampflosen Eroberung der Krone 1975 durch Anatoli Karpow begann ohne die Qualifikationsmühle über ein Zonenturnier. Die FIDE gab ihm einen Freiplatz für das Interzonenturnier in der philippinischen Hauptstadt Manila. Er rechtfertigte die Nominierung mit einem sehr guten dritten Platz und der erst- und einmaligen Qualifikation für die Kandidatenwettkämpfe.

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