Juli 3, 2022

Kein Schwarz, kein Weiß, kein Richtig oder Falsch: Michael S. Langer im Interview

Russen ausschließen oder nicht? Als Privatmann findet Michael S. Langer keine eindeutig richtige Antwort auf diese Frage. Aber der Niedersächsische Schachverband, dem Langer als Präsident vorsteht, hat sich am 3. März in aller Klarheit zum Krieg und seiner Bedeutung für den Sport geäußert. Seine Forderung:

russische und weißrussische Sportler von internationalen Wettbewerben ausschließen. Wir haben Langer gefragt, was internationaler Spitzensport mit Niedersachsen zu tun hat, wie er den heute in Berlin beginnenden Grand Prix mit fünf Russen im Feld sieht – und ob FIDE-Präsident Arkady Dvorkovich sich erneut zur Wahl stellen sollte. Nicht zuletzt darüber sollte vor der FIDE-Wahl im deutschen Schach geredet werden, findet Langer.

“Den Grand Prix in Berlin werde ich ignorieren, so gut es geht”: Michael S. Langer. Der unten links abgebildete Dmitry Andreikin hat “aus persönlichen Gründen” zurückgezogen. Statt seiner spielt ab morgen Andrey Esipenko. | via FIDE

Michael, Niedersachsen hat als erster Schach-Landesverband eine Erklärung zum Krieg abgegeben. Ihr findet, russische und weißrussische Spieler sollten bis auf Weiteres von internationalen Turnieren ausgeschlossen werden. Was hat der Niedersächsische Schachverband mit internationalem Spitzensport zu tun?

Spieler ukrainischer, russischer und weißrussischer Herkunft gibt es auch in Niedersachsen. Aber ein anderer Teil der Erklärung ist mir wichtiger. Als Landesverband wollten wir vor allem verhindern, dass der Krieg in unsere Spielsäle einzieht. Darum haben wir dazu aufgefordert, es nicht an den Brettern auszutragen, sondern, falls nötig, verbal in Umfeldern, in denen das mehr Sinn ergibt. Diese Aufforderung haben wir mit einer Aussage verknüpft, die sich mit der vom Landessportbund, DOSB, Athleten für Deutschland und der damaligen vom Deutschen Schachbund deckte: Auf der Ebene des internationalen Spitzensports, wo es Ländern darum geht, Erfolge für sich zu reklamieren, sollten russische und weißrussische Sportler und Sportlerinnen keine Möglichkeit bekommen, ein zynisches und marodes System durch sportliche Erfolge zu unterstützen.

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