Mai 17, 2022

Ein Zeichen gegen den Krieg

Der Serienmeister startet mit einem Sieg, der Vizemeister auch. Kiel wird diesmal eine Rolle spielen, Viernheim sowieso. Aachen und König Tegel? Für diese beiden wird es nicht leicht. So viel lässt sich nach dem ersten Spieltag der neuen Saison zum Sportlichen sagen – das weniger Aufmerksamkeit bekam als die Begleitumstände und zwei Bretter, an denen niemand saß.

In Bremen blieben die Bretter der beiden Bremer Ukrainer symbolisch frei. | Foto: SV Werder Bremen

SC Viernheim – BCA Augsburg 7:1

Mehr als alle anderen Bundesligisten ist das Team des SC Viernheim vom russischen Überfall auf die Ukraine betroffen. Fünf Ukrainer stehen im Kader der Viernheimer, die den Saisonauftakt nutzten, um sich in aller Deutlichkeit zu positionieren. Nicht zuletzt auf Initiative der Viernheimer hatte der Bundesliga-Vorstand seinen Vereinen empfohlen, nur solche russischen Spieler einzusetzen, die dem Beispiel von Grischuk, Svidler, Nepomniachtchi, Kosteniuk, Esipenko und dutzenden anderen folgen, indem sie Stellung beziehen. „Schweigen ist nicht akzeptabel“, sagt Mannschaftsführer Stefan Martin. Am Rande des Matches gegen Augsburg lag eine Erklärung des Vereins aus, die diese Attitüde verdeutlichte.

Ein Ukrainer fand sich dann doch an den Viernheimer Brettern: Sergey Fedorchuk, der seit langem in Paris lebt, gelang eine Musterpartie gegen Eckhard Schmittdiel, der den Tarrasch-Franzosen Fedorchuks mit der positionell anrüchigen Haberditz-Variante konterte.

Schnelle Siege von Neuzugang Dennis Wagner und Fabien Libiszewski, dazu das Spiel auf ein Tor, das sich am Brett von Fedorchuk bald abzeichnete – auch mit nur einem Ukrainer und ohne Russen im Team machten die Viernheimer bald deutlich, dass für den nominellen Außenseiter aus Augsburg nichts zu holen sein würde. 

SG Solingen – USV/TU Dresden 5:3

Den zweiten Zug vor dem ersten ausführen, wer kennt es nicht? Wahrscheinlich war es ein solcher Fingerfehler, der dazu führte, dass der niederländische Großmeister Max

Hier nimmt Weiß erst auf e6, spielt dann Sc3, und die Lage ist unklar. Warmedam vertat sich, zog sofort Sc3 – und stand schon fast auf Verlust.

Warmedam in Reihen der Solinger gegen Juraj Druska schon nach 11 Zügen am Rande der Niederlage operierte. Zwar sollte sich Warmedam noch weitere 70 Züge gegen eben diese Niederlage stemmen, aber letztlich stand eben doch eine Null auf dem Spielberichtsbogen.

Warmedam wird erleichtert zur Kenntnis genommen haben, dass am achten Brett sein Kapitän Alexander Naumann schon vor der Zeitkontrolle einen ersten vollen Punkt für die Klingenstädter herausgespielt hatte. Und dann war da ja noch der Rest der vierköpfigen niederländischen Achse der Solinger, darunter Giri-Sekundant Erwin l’Ami, der am dritten Brett ein Wiedersehen mit Dresdens Roven Vogel feierte.

Gerade erst beim Schachfestival in Wijk an Zee hatten diese beiden einander gegenübergesessen, und Vogel, dem einzigen deutschen Teilnehmer, war es gelungen, dem 2600-GM einen halben Punkt abzuknöpfen. Dieses Meisterstück vermochte er zum Bundesliga-Auftakt nicht zu wiederholen.

FC Bayern München – SF Berlin 5,5:2,5

Nominell war es durchaus auf Augenhöhe, was Münchner und Berliner zum Saisonauftakt an die Bretter schickten. Aber das Resultat spiegelte eher ungleiche Kräfteverhältnisse.

Auf Seiten der Münchner führte sich Neuzugang Jaime Santos Latasa, spanischer Nationalspieler im Elo-Aufwind, mit einem Sieg über Kacper Piorun ein. Der Pole hatte eine Qualität gegeben in der Hoffnung, der aufgeweichten Königsbastion Latasas zu Leibe rücken zu können. Aber letztlich stellte er fest, dass er in erster Linie mit Minusqualität einen hoffnungslosen Kampf führte.

Die sehenswerteste Partie spielten ein Münchner in Diensten der Berliner sowie ein Schwede in Diensten der Münchner. Dem Großmeister und Theoretiker Boris Avrukh ebenso wie der live übertragenden weltgrößten Schachplattform chess.com war es eine besondere Erwähnung wert, was Max Hess und Martin Lokander aufs Brett zauberten.

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