September 18, 2021

Saisonabschluss nach 2 Jahren: Finale der Frauenbundesliga

Am kommenden Wochenende ist es endlich so weit, die vor fast zwei Jahren im September 2019 begonnene Saison der Frauenbundesliga wird beendet. Von Freitag bis Sonntag werden die letzten drei Runden gespielt. Leider gibt es keine zentrale Endrunde, allen Beteiligten war es wichtiger, einen zeitnahen Termin zum Beenden der Saison zu finden, und der Oktober-Termin der Schachbundesliga hätte ein weiteres Verschieben des Beginns der kommenden Saison bedeutet. Unten nochmal zur Erinnerung die aktuelle Tabelle nach 8 Runden. In Deizisau treffen die ersten Drei der Tabelle direkt aufeinander und machen vermutlich den deutschen Meistertitel unter sich aus. Durch diese Konstellation hat die OSG Baden-Baden auf Platz 4 trotz des leichteren Restprogramms gegen Hamburg und Harksheide kaum noch Titelchancen. Spannung gibt es auch im Abstiegskampf, gleich 7 Mannschaften haben noch Abstiegssorgen, auch wenn es für Hamburg, Harksheide und Hofheim mit 6 Punkten gut aussieht.

Anfang Februar 2020 konnte sich trotz der schon damals langsam aufziehenden Corona-Wolken noch niemand vorstellen, dass die letzten drei Runden der Frauenbundesliga erst mehr als 1,5 Jahre später gespielt würden. Die für Ende Mai geplante zentrale Endrunde in Berlin musste abgesagt werden. Das kurze Zeitfenster im Sommer 2020, in dem eine Austragung der Runden vielleicht möglich gewesen wäre, wurde verpasst. Mehrfach wurden Termine für die letzten drei Runden angesetzt, die alle aufgrund des andauernden Lockdowns abgesagt werden mussten. In einer Reihe von Videokonferenzen wurde dann der Termin Anfang September 2021 einvernehmlich von den Verantwortlichen beim DSB und den Mannschaftsführern der Vereine festgelegt. Alle Beteiligten waren sich einig, die Saison, wenn irgendwie möglich, sportlich zu beenden.

Die Begegnungen am kommenden Wochenende stehen natürlich immer noch ganz im Zeichen der Coronapandemie. Die kurzfristigen und häufig kaum nachvollziehbaren Änderungen der Coronaeinschränkungen durch die deutsche Politik halten die Verantwortlichen der Teams seit Wochen im Atem. Länder, aus denen Spielerinnen anreisen, werden auf die Liste der Risikogebiete gesetzt und wieder heruntergenommen, von der WHO anerkannte Impfstoffe werden von der EU nicht anerkannt und die Testregelungen und maximalen Raumbelegungen ändern sich fast wöchentlich und sind dazu nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern zum Teil sogar von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Daher muss das vorliegende schon sehr strenge Hygienekonzept des deutschen Schachbunds auch immer noch mit den jeweiligen lokalen Anforderungen abgeglichen werden. Dazu kommen Visa- und Reiseprobleme bei den ein oder anderen Spielerinnen. Noch dazu hat gerade die Lokführergewerkschaft einen erneuten fast einwöchigen Streik angekündigt, der die Anreise noch weiter erschwert. Eine weitere Unbekannte ist, dass es in vielen Teams Spielerinnen gibt, die seit langem keine Turnierpartie mehr am Brett gespielt haben. Die Profispielerinnen nutzten natürlich alle Möglichkeiten, die sich ihnen trotz Pandemie boten. Gerade im Ausland fanden letzten Herbst und diesen Sommer deutlich mehr Turniere als in Deutschland statt, wo fast alle Turniere mit wenigen Ausnahmen im Spitzenschachbereich den für Turnierveranstalter kaum zu erfüllenden Hygieneauflagen zum Opfer fielen. Gerade im Amateurbereich gab und gibt es in Deutschland nach wie vor fast keine Spielmöglichkeiten. Ein Großteil des Schachs hat sich ins Internet verlagert, unzählige Turniere finden online statt, allerdings ausschließlich mit verkürzter Bedenkzeit. Allerdings gibt es auch Spielerinnen, die das schnelle Spiel im Internet nicht besonders mögen und daher nur mit wenig Spielpraxis antreten werden.

Daher sind Überraschungen nicht auszuschließen, da vieles auch davon abhängt, ob alle Mannschaften aufgrund der vielen Einschränkungen überhaupt 6 Spielerinnen zusammenbekommen. Das betrifft natürlich besonders international aufgestellte Teams wie Bad Königshofen, Schwäbisch Hall, Baden-Baden und Rodewisch.

Doch jetzt zu den Begegnungen am Wochenende.

Spielort Deizisau

Die SF Deizisau stehen mit nur einer Niederlage gegen Baden-Baden punktgleich mit Schwäbisch Hall etwas überraschend auf Platz 3 der Tabelle. Das Brettpunkteverhältnis zeigt, dass viele Begegnungen nur sehr knapp gewonnen wurden. Daher ist Schwäbisch Hall am Freitag favorisiert, aber in der Vergangenheit gab es schon knappe Ergebnisse. Insbesondere das hauchdünne 3,5-2,5 2017 in Berlin, das den Weg zum ersten Meistertitel des SK Schwäbisch Hall ebnete, ist den Verantwortlichen noch in Erinnerung. Die zur Zeit formstärkste Deizisauer Spielerin Hanna Marie Klek taucht in der Meldeliste erst an Position 7 auf. Sie gewann erst kürzlich das German Masters überzeugend mit 1,5 Punkten Vorsprung vor der kompletten deutschen Spitze. Bad Königshofen sollte es gegen Hofheim leichter haben und ist klar favorisiert.

Am Samstag spielt Schwäbisch Hall gegen Hofheim, das hoffen muss, dass die bisher geholten 6 Punkte aufgrund der übermächtigen Gegner in den letzten drei Runden für den Klassenerhalt reichen. Im Moment sieht es gut dafür aus, aber aufgrund der obengenannten Einschränkungen sind Überraschungen an den anderen Spielorten nicht ausgeschlossen. Bad Königshofen spielt gegen Deizisau, und hier wird sich zeigen, ob es am Sonntag zu einem Finale gegen Schwäbisch Hall um die Meisterschaft kommt.

Wenn Titelverteidiger Bad Königshofen und Schwäbisch Hall am Freitag und Samstag ihrer Favoritenrolle gerecht werden, kommt es am Sonntag zum großen Showdown zwischen beiden um die deutsche Meisterschaft. Die mögliche Aufstellung von Bad Königshofen gleicht einer Wundertüte. Es ist völlig unklar, welche Spielerinnen einreisen können, dies hängt ähnlich wie bei Schwäbisch Hall neben den “üblichen” Themen wie Finanzierbarkeit und Verfügbarkeit zusätzlich auch von Themen wie Impfstatus und -stoff, Aufenthaltsort und Visa ab. Problematisch für Bad Königshofen sind die vielen russischen Spielerinnen auf der Meldeliste, da Russland auf der Liste der Corona-Hochrisikogebiete steht und der russische Impfstoff von der EU nicht anerkannt wird.

Zuschauer sind in der Deizisauer Zehntscheuer nicht zugelassen. Nur Spielerinnen, Offizielle und die Betreuerteams dürfen im Spielsaal dabei sein. Da Schach als Sport eingeordnet ist, besteht für die Spielerinnen am Brett wenigstens keine Maskenpflicht. Für alle anderen Anwesenden besteht im Rahmen der Coronaverordnung die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Generell gilt wie inzwischen in ganz Deutschland die 3G-Regelung.

Eine Liveübertragung der Partien wird es nicht geben, allerdings wird es eine Livekommentierung auf der Seite des SK Schwäbisch Hall zu allen Ereignissen auf und neben den Brettern in Deizisau geben.

Update vom 1. September: es gibt eine Liveübertragung der Partien aus Deizisau (siehe Homepage der SF Deizisau), hier der wahrscheinliche Link bei Chess24 zur Übertragung der Partien.

Spielort Baden-Baden

Hier treffen Baden-Baden und Karlsruhe auf die Nordlichter aus Hamburg und Harksheide. Die OSG Baden-Baden hat nur noch theoretische Meisterschaftschancen und außerdem sicher die ein oder andere Aufstellungssorge, auch bei der OSG gibt es viele Spielerinnen, die von Reisebeschränkungen aufgrund Corona betroffen sein könnten. Für Karlsruhe zählen nur Siege: gegen Harksheide muss man gewinnen, und möglichst gegen Hamburg auch punkten, damit es noch etwas mit dem Klassenerhalt werden kann. Auch aus Baden-Baden ist eine Liveübertragung der Partien geplant.

Spielort Rodewisch

Rodewisch und Leipzig treffen auf Erfurt und Lehrte. Für Rodewisch geht es um nichts mehr, während die drei anderen Mannschaften alle noch gegen den Abstieg kämpfen. Die besten Karten hat Erfurt, hat man doch schon 5 Punkte gesammelt. Ein Sieg im Reisepartnerduell gegen Lehrte würde schon zum Klassenerhalt reichen. Für Lehrte und Leipzig wird es bei nur zwei Punkten eng, aber man spielt jeweils gegen zwei Gegner auf Augenhöhe, und es ist auch nicht ganz ausgeschlossen, dass möglicherweise der drittletzte Platz noch zum Klassenerhalt reicht. Aufgrund von Corona ist es zumindest nicht ganz ausgeschlossen, dass es für die kommende Saison zu Rückzügen oder Aufstiegsverzicht kommt.

Die Bundesligaaufsteiger stehen schon seit Anfang 2020 fest, zur Erinnerung: Löberitz, Hemer und Kisschess aus Bad Kissingen steigen aus den drei Zweitligastaffeln in die Frauenbundesliga auf. Die nächste Saison der Frauenbundesliga soll Ende November beginnen.

Bundesligaspielerin des Jahres

Wie in den Vorjahren gibt es auch wieder den von Raymund Stolze ins Leben gerufenen Preis für die Bundesligaspielerin des Jahres und die beste U23-Nachwuchsspielerin. Während bei der besten Nachwuchsspielerin das Feld der Kandidatinnen recht übersichtlich ist – eine Voraussetzung sind mindestens 8 gespielte Partien – gibt es bei der besten Spielerin noch eine Vielzahl von Kandidatinnen. Am aussichtsreichsten liegen bei den Nachwuchsspielerinnen Filiz Osmanodja und Jana Schneider (je 4/6) im Rennen, und bei der besten Spielerin führt Irina Bulmaga mit 6/6. Die Preise dieses Jahr sind jeweils ein Bild von Sabine Oecking (https://atelier-oecking.de/).

Hier die beiden Bilder, die es zu gewinnen gibt, eines ist aus der “Zauberwaldserie”, das andere aus der Serie “Glück und Leben”. Die Preisübergabe an die Siegerinnen wird irgendwann zu Anfang der kommenden Saison erfolgen.

Schach und „Glück und Leben“ (Sabine Oecking)

“Mich interessiert das Zusammenspiel von Geordnetem und Ungeordnetem, auch das Zusammenwirken von Detailblick und dem großen Ganzen. Dem trägt der Titel „Glück und Leben“ Rechnung. Meine Bilder entstehen mit Schablonen, so wie es beim Schach Regeln gibt. Die aufeinander aufbauenden Lagen in meinen Bildern gleichen den Zügen beim Schachspiel und müssen geplant werden. Durch immer neue Kombinationen der Lagen und der Schablonen entstehen in meinen Bildern andere Welten. Obwohl auch beim Schach immer die gleichen Regeln angewendet werden, ist jedes Spiel durch die Vielfalt der Züge der Spieler anders.”

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