August 4, 2021

Der Feuerwerker

Fire On Board“ heißen die zwei beliebten Bücher des Angriffsmagiers Alexei Schirow (* 4. Juli 1972), der heute 49 Jahre jung wird. Als ich Schirow, einen Schachschüler des auch als „Zauberer aus Riga“ bekannten achten Weltmeisters Michail Tal, erstmals live und in Farbe am Brett bestaunen durfte, geriet dieses tatsächlich buchstäblich in Brand.

Schirows Partie im halbslawischen Botwinnik-System (D 44) gegen Gata Kamsky war die wohl spektakulärste bei der Mannschaftsweltmeisterschaft 1993 in Luzern, hatte alle Zutaten, uns Schachfans zu verzaubern: zuerst die Neuerung 16…Kf8, die Schirow später mit zwei Ausrufezeichen schmückte und zu den wertvollsten eröffnungstheoretischen Entdeckungen des Jahres zählte („wahrscheinlich kann Weiß danach nicht einmal mehr ausgleichen.“ – Alexei Schirow im SCHACH MAGAZIN 64 -23/93). Außerdem initiierten beide Spieler quasi vom Start weg brutale gegenseitige Königsjagden. Wessen Attacke würde sich als die gefährlichere erweisen?

 
Genau diese Frage stellte sich meinen beiden schweigend verharrenden Begleitern und mir. Im Casino von Luzern hatten wir uns beste Sitzplätze gesichert, wollten speziell diese Partie im Blickfeld haben. Dramatischer Höhepunkt war für uns der Moment, der in der Diagrammstellung zu sehen ist. Kamsky zog 27.Th-e1+ und Schirow spazierte gechillt mit seinem König mitten aufs Schlachtfeld, als wäre d7 der sicherste Fleck auf dem Brett – obwohl Kamsky im nächsten Zug aus gefühlt einem Dutzend tödlichen Abzugsschachs wählen konnte. Schirow schien erledigt. Uns stockte der Atem: konnte dieser Königstrip gut gehen?
 
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