Oktober 17, 2021

Die heimlichen Champions

In anderen Sportarten wäre es ein kaum vorstellbares Kuriosum, dass sich eine Profimannschaft fünf Tage lang mit der Weltelite misst – und das fünf Tage lang niemandem mitteilt. Im deutschen Schach ist ein Auftritt wie der der Schachfreunde Deizisau im Europapokal Normalität. Ein Trauerspiel, natürlich, aber viel eher die Regel als die Ausnahme. Wo keine Sponsoren sind, die fürs Geld Reichweite und Emotion einfordern, wird verschanzt im stillen Kämmerlein gespielt.

Nun haben die Schachfreunde Deizisau den Vergleich mit der Weltelite ihres Sports sensationell gewonnen. Das, immerhin, möchten sie mitteilen. Sie haben ein sehr schönes Video über ihren Erfolg drehen lassen.

Sollte hier jemand mitlesen, der erwägt, eine Schach-Profi-Mannschaft zu sponsern, bitte nicht abwenden, sondern weiterlesen. Es geht ja anders, auch im Schach, dort nämlich, wo der Mannschaftssport Schach von gemeinschaftlicher Begeisterung für die Sache getragen wird. Der Gegenentwurf zu Deizisau war während der fünf Europacup-Tage in Hamburg zu besichtigen.

Ein Sponsor des Hamburger SK hätte an der obligatorischen Reichweiten-Analyse nach dem Europacup seine helle Freude gehabt. Nicht nur verbreiteten die Hamburger ihre Begeisterung für die Sache kontinuierlich auf ihren eigenen Kanälen, zeigten die Gesichter ihrer Recken, erzählten deren Geschichten und gaben Beobachtern Anlass, die Geschichten über den hanseatischen Siegeszug zu verbreiten. Noch dazu enterten die Hamburger während des laufenden Turniers drei der großen deutschen Schach-Twitch-Kanäle, darunter den mit Abstand größten.

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