Februar 25, 2021

Kinderschach

Reykjavik 2004, Weltklasse-Schnellschach. Mittendrin ein 13-Jähriger. Ihm gegenüber: Garri Kasparow, kopfschüttelnd, Grimassen schneidend. Nachdem er die Eröffnung oberflächlich behandelt hat, wird der Weltranglistenerste von seinem jungen Gegner überspielt. Seiner großen Erfahrung verdankt Kasparow, dass er sich im Endspiel mit Minusbauer noch ins Unentschieden rettet. Als hinterher ein Reporter Carlsen fragt, ob er sich über das Sensationsremis freut, verneint dieser. Carlsen ärgert sich, dass er den Sieg verpasst hat – ein kommender Champion. 

Dieses hochkarätige Beispiel (ab jetzt gibt’s Patzerklasse) habe ich gewählt, damit ihr bei der Stange bleibt um zu zeigen, dass es für favorisierte Erwachsene aller Spielstärken undankbar sein kann, gegen ein Kind gelost zu werden. Dessen Wertungszahl entspricht oft nicht der Spielstärke. Manche Kinder sind viel stärker, manche drücken mit ihrer absurd niedrigen Zahl den Gegnerschnitt nach unten.

Der Blamagefaktor ist hoch, zu gewinnen gibt es nicht viel. Ein Sieg wäre normal, ein Remis peinlich und eine Niederlage – oje.

In der B-Gruppe des siebenrundigen Deizisauer Herbstopens 2011 lief es für mich nicht gut. Nach der fünften Runde stand ich mit zwei Punkten da. An eine Wiederholung meines Vorjahresresultats, als ich für meinen dritten Platz 150 Euro einstrich, war längst nicht mehr zu denken. Es ging nur noch um Schadensbegrenzung. Und die ist ein schlechter Motivator.

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