November 25, 2020

MITTEILUNG DES PRÄSIDENTEN ZUR AKTUELLEN CORONA-SITUATION

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde,

Corona hat uns weiterhin fest im Griff, die Zahl der Neuinfektionen erreicht fast täglich neue Höchststände und die gerade beschlossenen Verordnungen der Länder bringen das Vereinsleben und den Spielbetrieb mindestens bis Ende November abermals zum Erliegen. Es steht zu befürchten, dass sich dieser Zustand in den anschließenden Wintermonaten nicht grundlegend ändern wird. Kaum eine Woche vergeht, in der nicht wieder ein Schachturnier abgesagt wird. Erst kürzlich hat es auch die abschließenden Runden der Saison 2019/2020 der Frauenbundesliga und die Internationalen Offenen Bayerischen Meisterschaften getroffen.

Umso erfreulicher ist es, dass Turnierdirektor Sebastian Siebrecht zumindest für letztere mit den Tegernsee Masters eine tolle Alternative anbietet. Die Teilnahme der deutschen Top-4 nach

Präsident des DSB: Ulllrich Krause

DWZ Matthias BlübaumAlexander DonchenkoLiviu Dieter Nisipeanu und Vincent Keymer verspricht hochklassiges Schach und diese Vier werden sich im Kampf um die Spitzenposition in der Deutschen Rangliste sicherlich keine Punkte schenken. Dazu gesellen sich noch hochtalentierte Spieler wie Ashot Parvanyan, die ihre nächste Großmeisternorm anpeilen. Der Deutsche Schachbund unterstützt die Veranstaltung selbstverständlich gerne, um unseren Kaderspielern die in dieser Zeit so wichtige Turnierpraxis zu ermöglichen. Und auch für alle Fans der Deutschen Schach-Online-Liga (DSOL) gibt es gute Nachrichten: Die im Sommer neugeschaffene Alternative zu den sonst üblichen Mannschaftswettkämpfen in den diversen Ligen kam so gut an, dass sie schon ab Januar mit einer weiteren Saison fortgesetzt werden soll.

Mit großer Sorge denken viele jedoch an die Mitgliederzahlen im Deutschen Schachbund während bzw. nach der Corona-Krise. Vor dem Beginn der Pandemie konnten wir uns über eine jahrelange positive Entwicklung freuen, aktuell sehen wir bei den Austrittszahlen keine wesentliche Veränderung im Vergleich zum Vorjahr, durch die sonst üblichen und zurzeit fehlenden Neu-Eintritte kommt es aber im Ergebnis zu rückläufigen Mitgliedszahlen. Bisher hält sich dieser Rückgang in Grenzen, aber Anfang Januar wird sich ein genaueres Bild ergeben: Zu diesem Zeitpunkt werden nämlich die Zahlen ermittelt, welche als Berechnungsgrundlage der Beitragszahlungen der Mitgliedsverbände für das Jahr 2021 dienen, d.h. es steht zu befürchten, dass Ende Dezember noch viele Abmeldungen erfolgen werden.

Ich kann die vielen Mitglieder unserer Vereine, die jetzt über einen Austritt nachdenken, nur darum bitten, diesen Schritt nicht zu vollziehen. Bleiben Sie Ihrem Verein treu! Irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft wird es wieder einen geregelten Vereinsbetrieb geben, und es wäre doch sehr bedauerlich, wenn es Ihren Schachverein dann nicht mehr gibt, weil ihm die Mitglieder abhanden gekommen sind.

Es wird vielleicht einen langen Atem brauchen, aber ich bin mir sicher: Es wird wieder aufwärts gehen, sobald wir diese Krise überwunden haben und wieder Normalität einkehrt! Die Begeisterung, mit der die wenigen Turnierangebote in den vergangenen Monaten angenommen wurden, zeigt das ungebrochene Interesse an unserem Sport. Und wer weiß, vielleicht wird es dann bei den Vereinen auch einen Ansturm der vielen Neulinge geben, die im Lockdown erstmals online mit Schach in Berührung gekommen sind und nun Lust auf „klassisches Schach“ bekommen haben. Für diese häufig schon erwachsenen „Online-Anfänger“ sollten wir in den Vereinen entsprechende Angebote vorbereiten. Nach meiner Erfahrung mangelt es häufig an Spielmöglichkeiten für ältere Anfänger, auch und gerade in den Vereinen mit einem umfangreichen Trainingsangebot für Neulinge, die in der Regel eben deutlich jünger sind. Und wenn es in dieser Krise etwas Positives festzuhalten gibt, dann sind es die vielen Online-Trainingsangebote, die in den letzten Monaten in zahlreichen Vereinen erstmals angeboten wurden. Hier sehe ich uns heute besser aufgestellt als noch zu Beginn dieses seltsamen Jahres, und Online-Training ist auch nach Corona eine sehr wichtige Erweiterung des Angebots, das ein Verein seinen Mitgliedern unterbreiten kann.

Allen Online-Neulingen möchte ich die Vereinsdatenbank der Deutschen Schachjugend sehr ans Herz legen: https://schach.in/deutschland Dort finden Sie mit Sicherheit einen Schachverein in Ihrer Nähe, den Sie jetzt schon kontaktieren und im kommenden Jahr dann besuchen sollten, um Ihre beim Internetschach erworbenen Kenntnisse auf einem echten Schachbrett zu erweitern. Schach ist und bleibt am schönsten, wenn man es im Verein spielt!

Auf unsere Verbandsarbeit hat die Corona-Situation ganz unmittelbare Auswirkungen: So tauschen sich die Mitglieder der beiden beim letzten Bundeskongress Ende August in Magdeburg eingesetzten Arbeitsgruppen zur Neuentwicklung von DeWIS/MIVIS und zur Beitragsordnung virtuell per Videokonferenz aus. Der nächste Hauptausschuss im Dezember ist zurzeit noch als Präsenz-Veranstaltung geplant, wir bereiten aber schon den Plan B, also eine Online-Versammlung vor, was vor allem bei Abstimmungen keine triviale Angelegenheit ist. Dieses neu erworbene Wissen bzw. die dazugehörige Software werden uns zukünftig in die Lage versetzen, schneller und flexibler zu agieren. Das Hauptthema beim Hauptausschuss werden die finanziellen Auswirkungen der in Magdeburg beschlossenen Neugründung der Deutschen Schachjugend (DSJ) als eigenständiger eingetragener Verein sein. Hierbei haben wir im Vorfeld des Hauptausschusses schon große Fortschritte gemacht und letzte unklare Punkte mit der DSJ klären können. Mein Dank gilt an dieser Stelle den DSJ-Vertretern für die gute und konstruktive Zusammenarbeit – den entsprechenden formalen Antrag haben wir den Mitgliedern des Hauptausschusses gemeinsam vorgelegt. Für die geplante gemeinsame Geschäftsstelle in Berlin sucht die DSJ bereits eine neue Geschäftsführerin oder einen neuen Geschäftsführer.

Für gemeinnützige Vereine und Verbände gibt es eine Vielzahl finanzieller Hilfsangebote auf Bundes- und Landesebene. Die Mitarbeiter unserer Geschäftsstelle unterstützen Sie gerne beim Beantragen der Gelder. In dem Fall bitte eine Mail an coronahilfe@schachbund.de schicken.

Bleiben Sie gesund!

Ihr

Ullrich Krause
Präsident des Deutschen Schachbundes

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