Wenn der Gegner dich ausgespielt hat, ohne dass du verstehst, was du falsch gemacht hast, dann bleibt die Niederlage am ehesten haften. Und es stellt sich am ehesten Respekt vor der Leistung desjenigen auf der anderen Seite des Brettes ein. Er oder sie hat ja Fehler auszunutzen verstanden, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie begangen haben.

Solche Niederlagen (und Siege) gibt es auf jedem Level. Es bedarf keines Anfängers auf der einen und Meisters auf der anderen Seite. Auch Großmeister verlieren gelegentlich gegen ihresgleichen, ohne zu verstehen, wie das passieren konnte. Dem britischen Großmeister Nigel Short zum Beispiel, immerhin einst WM-Herausforderer und jetzt FIDE-Vizepräsident, erging es unlängst so, als er es beim superstark besetzten Open in Gibraltar mit Levon Aronian zu tun bekam.

Shorts Landsmann Michael Adams gelingen solche Siege gar in Serie. „Spider“ (Spinne) nennen sie ihn ehrfürchtig, weil Adams nach und nach ein unsichtbares, filigranes Netz um die Figuren seines Gegenspielers zu spinnen pflegt. Wenn der merkt, was passiert, ist er längst hoffnungslos in Adams‘ Spinnfäden verheddert.

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