Nach einem Simultan in Stuttgart ist Friedrich Sämisch spontan bei Familie Mohrlok im Stadtteil Wangen zu Gast geblieben. Er soll dem talentierten Sohn Schachtraining geben, darf dafür umsonst übernachten und wird verköstigt – mit Kaffee und Zigaretten in erster Linie, die beiden Hauptnahrungsmittel der Berliner Schachlegende. Wochenlang darf er seinem Bohémien-Lebensstil frönen, bis nachmittags schlafen und beim Rauchen sogar ungestraft Asche auf den Boden fallenlassen. Gar nicht mehr gehen will er, so gut gefällt es ihm bei den Mohrloks.

Kopenhagen 1923, nichts geht mehr: Dem Weißen sind die Züge ausgegangen. Friedrich Sämisch dachte hier eine Stunde lang nach, dann gab er auf.

Schachspielern weltweit ist der Name Friedrich Sämisch durch „seine“ beiden Varianten gegen die Königs- und die Nimzo-Indische Verteidigung ein Begriff, aber auch durch seine Niederlage gegen Aaron Nimzowitsch in der „Unsterblichen Zugzwangpartie“ mit ihrem berühmten Schlusszug 25…h6!!.

Ab den 1920er-Jahren war Sämisch einer der stärksten Spieler Deutschlands. Ein Sieg von ihm erlangte Berühmtheit: Sämisch war einer der wenigen, die gegen den nahezu unschlagbaren José Raúl Capablanca eine Partie gewonnen haben. Die kuriose Randgeschichte dazu habe ich im Artikel „Spiel mit dem Tod“ erzählt:

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Kaffee, Zigaretten und ein Schäferhund: Besuch von Friedrich Sämisch

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