Die Siesta-Variante entsteht in der verbesserten Steinitz-Variante der Spanischen Partie nach den weiteren Zügen 5. c2–c3 f7–f5. Diese Eröffnungsidee wurde einst von Jose Capablanca beim „Siesta“-Meisterturnier in Budapest, im Jahre 1928, in seiner Partie gegen Endre Steiner in die Turnierpraxis wieder eingeführt, nachdem diese bereits zuvor, 1892 (Walbrodt vs. von Scheve) und 1909 (Wettkampf Capablanca vs. Marshall), aufs Brett kam und in Vergessenheit geraten war. Diesem Turnier verdankt die Zugfolge auch ihren Namen.

In einer damals noch von beiden Seiten sehr positionell angelegten Partieanlage setzte sich der Ex-Weltmeister am Ende im Endspiel durch. Fortan tauchte die Eröffnungs-Idee gelegentlich bei internationalen Turnieren auf, auch wenn diese Idee nicht sonderlich populär wurde. Mitte der 40er Jahre des letzten Jahrhunderts änderte sich dies, als diese Idee immer häufiger, überwiegend bei sowjetischen Turnieren, wenn auch mit zum Teil mäßigem Erfolg, gespielt wurde.

Beim WM-Turnier im Jahre 1948 sorgte dann der gebürtige Este Paul Keres für einen Paukenschlag als er die Vorzüge dieser durchaus sehr scharf angelegten Eröffnung gegen Ex-Weltmeister Max Euwe aus den Niederlanden demonstrierte. Bereits in der Eröffnung opferte Keres einen Bauern, den Euwe zu seinen Gunsten verwerten wollte, während zeitgleich die damit verbundenen Defizite in der weißen Entwicklung vom Esten mit chirurgischer Präzision genutzt wurden.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

Print Friendly, PDF & Email