Als 1966 der serbische Großmeister Alexander Matanovic erstmals den Schachinformator herausgab, konnte noch keiner ahnen, wie sehr er die Schachwelt damit revolutionieren sollte. In jeder Ausgabe, die anfangs zweimal pro Jahr erschien, wurden rund 700 Meisterpartien kommentiert, die nach einem Eröffnungsschlüssel sortiert waren, welcher von Braslav Rabar ursprünglich entwickelt und klassifiziert wurde. Anfang der 80er Jahre ging diese Kennzeichnung dann in den heute bekannten ECO-Code auf.

Zu den typischen Merkmalen des Informators zählen unter anderem, dass eröffnungstheoretische Neuerungen speziell gekennzeichnet werden, auf Vorgängerpartien in früheren Bänden immer unter Angabe der Nummer der Vorgängerausgabe und der Partie verwiesen wird.

Um Schachspieler weltweit mit nur einer Ausgabe ansprechen zu können, wurden Sprachsymbole entwickelt, wie zum Beispiel = oder -+, Symbole die heute jeder Schachspieler kennt. So wurde der Informator schnell zum wichtigsten Nachschlagewerk bezüglich der Entwicklung der Schachtheorie und für jeden professionellen Spieler ein Muss.

Mehr als 50 Jahre später lebt der Mythos noch immer, dies ungeachtet der Konkurrenz von New in Chess oder Chessbase, um nur zwei Beispiele zu nennen. Das Format hat sich in den letzten Jahren geändert und die Anzahl der wichtigen Partien ist gesunken. Die heute erwähnte Ausgabe umfasst nur 200 Partien, dafür erscheint der Informator nun viermal im Jahr.

Kürzlich beim Studium älterer Ausgaben, so der letzten 5 Jahre, fand ich in der Ausgabe 127, Partie Nr. 56, einen Spieler, einen lupenreinen Amateur eben, dem es gelungen ist, mit einer seiner Partien, gespielt beim Turnier in Hastings 2015/2016, im Informator aufgenommen zu werden, dies mit einer Wertungszahl von gerade mal 2036 ELO-Punkten.

Es gelang ihm, seinem deutlich stärkeren Gegner eine theoretische Neuerung zu präsentieren, welche die Herausgeber dieses Standardwerkes nachhaltig beeindruckte, vermutlich auch deshalb, weil er danach einen Figurenwirbel im Stile eines Michael Tal folgen ließ und dabei zu keinem Zeitpunkt auf Verlust stand.

Die Rede ist heute von Dr. Marcus ter Steeg, in Essen aufgewachsen, ein promovierter Jurist und Buchautor, welcher als Unternehmensberater tätig ist. Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie!

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