Januar 15, 2021

Filmpremiere: Schach(t)räume – Bretter, die die Welt bedeuten

Im Rahmen des Grazer Chess Opens wird die Vorpremiere des ORF Österreich – Bilds „Schach(t)räume – Bretter, die die Welt bedeuten“ am 19.02. um 20:30 Uhr im Hotel Novapark stattfinden. Neuer Sendetermin: Österreich-Bild, Sonntag, 19. März 2020, 10.55 Uhr, ORF.

Zum Film:
Seit hunderten Jahren übt das Schachspiel eine ungebrochene Faszination aus. Weltweit spielen etwa 800 Millionen Menschen Schach. Schach verbindet – es gibt keine Unterscheidungen nach Sprachen, Kulturen, Religionen, Alter und Geschlecht. Schach war nie und ist nicht ein Spiel unter Vielen, sondern eine Art Königsdisziplin.

Graz ist die österreichische Hauptstadt des Schachs und Sitz des Österreichischen Schachbundes (ÖSB), in dem rund 400 Schachvereine in ganz Österreich organisiert sind. Daraus ergeben sich eine Vielzahl an Schachaktivitäten und Impulse, die von hier aus ausgehen.

Anlässlich des 100 Jährigen Bestehens des ÖSB, möchten wir diesem Sport einen Film widmen. Schach ist ein Denksport, der höchste Konzentration und unglaubliche Gedächtnisleistungen verlangt – Blitzschach, Simultanpartien, Turniere. Über Sieg oder Niederlage entscheidet beim Schach allein das Können der SpielerInnen.

Entscheidend geprägt hat Graz und die internationale Schachlandschaft Prof. Kurt Jungwirth (Präsident des ÖSB 1971-2017 und heute Ehrenpräsident). Durch sein unermüdliches Engagement hat er eine ganze Galerie an Weltmeistern und Schachgroßmeistern, Schachpräsidenten und Meisterschaften nach Graz geholt. Er war 1985 auf dem Weltschachkongress in Graz Initiator der Europäischen Schachunion, deren Vorsitz er 15 Jahre inne hatte. Bis heute liegt ihm besonders die Förderung der Jugend am Herzen. In den letzten Jahren ist die Steirische Jugend überaus erfolgreich gewesen: so haben sie letztes Jahr landesweit mit Abstand die meisten Medaillen geholt hat.

Seit Mai 2018 ist der erste Steirer – Andreas Diermair aus Leoben – Schachgroßmeister. Es ist – abgesehen vom Weltmeister – der höchste Titel, den man als Schachspieler erreichen kann. Nur die besten Turnierschachspieler bekommen vom Weltschachbund FIDE den Titel “Großmeister” verliehen. In Graz lebt noch ein weiterer Schachgroßmeister: Markus Ragger. Der gebürtige Kärntner ist der derzeit beste Schachspieler Österreichs und Schachprofi. Zusammen mit seiner Frau Anna Christina Ragger (FIDE Meister) sehen wir, wie hart sie täglich trainieren und wie unglaublich das Gedächtnis von SchachspielerInnen funktioniert.

An der Karl Franzens Universität hat Prof. Roland Grabner (Neurowissenschaftler) mit der Schachspielerin Barbara Teuschler (FIDE Meisterin) zum Thema Gedächtnis Experimente durchgeführt. Dabei hat sich gezeigt, dass SchachspielerInnen über 100.000 Figurenbündel als Muster im Kopf abgespeichert haben. So können sie in Millisekunden Stellungen erkennen, bewerten und sich für Spielzüge entscheiden. Eine erstaunliche Leistung und von großer Bedeutung beispielsweise beim Blitzschach, bei dem jedem/(r) SpielerIn nur 5 Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie zur
Verfügung stehen.

Schachspieler und Schachspielerinnen profitieren von den positiven Auswirkungen auf das Gehirn bis ins hohe Alter. Beim Schachspielen spielt auch die mentale Ebene eine enorme Rolle, denn eine Partie erfordert von den SchachspielerInnen über 5 – 6 Stunden höchste Konzentration. Im Schach entscheidet ein kleiner Fehler oft stundenlange Partien. Mit Stress gut umzugehen und nach vollbrachten Zug sofort zu entspannen, ist der Rat von Alois Kogler, Mentaltrainer des ÖSB. Er hat in seiner aktuellsten Studie sogar herausgefunden, dass man anhand von Blutwerten und psychologischen
Testergebnissen den Gewinner einer Partie vorhersagen kann. Die Sieger unterscheiden sich von den 2. oder 3. vor allem durch den besseren Umgang mit Stress.

Wie keine andere Sportart hat der Computer die Schachwelt revolutioniert. Schachtraining ist heute ohne den Computer nicht mehr vorstellbar. Täglich kommen tausende gespielte Partien weltweit in den Schachdatenbanken hinzu. Der Computer bewertet Stellungen, hilft bei Eröffnungsvorbereitungen und Fehleranalyse. Online spielen Menschen über große Entfernungen Schach. Doch das Spiel Mensch gegen Maschine, ist schon seit Jahren entschieden. Spätestens seit Christian Donningers Schachprogramm „Hydra“, sind Computer unschlagbar geworden. Einer, der angetreten war, um die „Ehre“ des Menschen zu verteidigen bzw. das Spiel dem menschlichen Geist zurück zu geben – war der Künstler Werner Bäumler – Künstlername Laurin. Der Deutsche, der heute an der Lagune vor Venedig lebt, hat ein Raumschach entwickelt. Es besteht aus 8 übereinander stehenden Ebenen und insgesamt 512 Feldern. Fast 4 Jahrzehnte hat es gedauert, bis das Raumschach spielbar war. Raumschach erweitert die Zugmöglichkeiten um ein Vielfaches und stellt für den menschlichen Geist eine neue Herausforderung dar.

Der Schachprogrammierer Christian Donninger hat ein Raumschachprogramm für Werner Bäumler geschrieben, aber auch hier ist der Mensch chancenlos. Aber die Maschine ersetzt nicht das Spiel von Mensch zu Mensch. Schach ist ein solch komplexes Spiel, dass ein Schachgroßmeister einmal
sagte: es gibt wahrscheinlich mehr mögliche Schachpartien als Atome im Weltall.

Gedreht wurde hauptsächlich in Graz, aber auch in der Weststeiermark (Deutschlandsberg), Leoben, Slowenien und Venedig.

Regie: Ulrike Berger
Kamera: Hubert Doppler
Drehbuch: Ulrike Berger, Norbert Prettenthaler
Schnitt: Martin Steffens, Raimund Sivetz
Musik: Gerd Schuller
Sprecher: Wolfram Berger

Text/Fotos: Mokino Filmproduktion

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