Albin Pötzsch am Schachbrett Mitte 1970 – Figuren von Jakow J. Neistadt

Auf eine Reise in längst vergangene Zeiten nimmt uns ein Buch des großen ostdeutschen Kolumnisten Albin Pötzsch mit. Der Autor, inzwischen weit über 80, lässt dabei Schachgeschichte mit großen Namen wieder lebendig werden. Ob es Aljechin, dessen Siamkater „Chess“ bei der Schacholympiade 1935 in Warschau für Aufregung sorgte oder Gligorics Blackout beim Interzonenturnier 1948 im schwedischen Saltsjöbaden ist, über 150 unterhaltsame Anekdoten aus der Hochzeit des königlichen Spiels entführen uns in eine Welt voller Emotionen, Glücksmomente und Reinfälle – fern ab der modernen Computeranalyse. Man riecht ihn förmlich zwischen den Zeilen – den Geruch der Zigarren von Steinitz, Marshall und Lasker und spürt die Qual von Kortschnoi, als bei der 27. Meisterschaft der UdSSR 1960 erstmalig ein Rauchverbot im Turniersaal verhängt wurde – und er trotzdem die Meisterschaft gewann.

Die Zeichnungen mit den Porträts der großen Meister zwischen den Geschichten lassen die in einem humorvollen ironischen Plauderton geschriebenen Erzählungen Pötzschs noch lebendiger erscheinen. Mit feiner Feder gezeichnet sind sie im Stil des vergangenen Jahrhunderts gehalten und vermitteln dem Leser, der sich plötzlich mitten in den Tragödien und Komödien wiederfindet, dadurch ein anschauliches Bild der damaligen Zeit. Die Frage ob es ein Lese- oder Lehrbuch ist, lässt sich nicht einfach beantworten und mag jeder für sich selbst entscheiden. Für mich war es beides zugleich und unterhaltsam allemal.

Cover

Für Freizeitspieler ist die Schachkost durchaus verständlich aufbereitet, aber auch der ambitionierte Amateur wird genug Stoff finden, sein Wissen im taktischen Bereich (unbemerkt!) beim Lesen zu testen. Vielleicht ist es auch einfach ein Buch für Schachliebhaber. Die Herausgeber Carsten Sicora und Steffen Hoffmann, haben dem Buch zudem noch eine mehrseitige Biografie „Besuch im Wiesengrund – aus dem Leben des Albin Pötzsch“ beigefügt, was dem Buch wohl schon deshalb eine gewisse Einmaligkeit verleiht. Das dieses Buch nur eine Auswahl von Pötzsch gesammelten Werken aus 60 Jahren Arbeit darstellt, scheint nur schwer vorstellbar und wohl deshalb haben sich Herausgeber und Verlag auf den Zeitraum der in den letzten 15 Jahren entstandenen Geschichten beschränkt. Man darf gespannt sein, auf das im Entstehen befindliche Gesamtwerk von Pötzsch, welches dann wohl auch die Geschichten von Dr. Zabel in der Tradition Kurt Richters enthält.

„Begebenheiten am Schachbrett“ – von Schachidioten & geklonten Großmeistern Mit einem Vorwort von Otto Borik und der Biografie „Besuch im Wiesengrund – aus dem Leben des Albin Pötzsch“ von Herausgeber Carsten Sicora und Steffen Hoffmann 160 Seiten mit zahlreichen Illustrationen und Fotos, Hardcover, 14 € + Versand Neuerscheinung Dezember 2018, Limitierte Auflage, Berek-Verlag-Potsdam,

E-Mail: vertrieb@berek.de

Das Buch kann auch direkt über den Autoren Albin Pötzsch, Nordstr. 2, 01640 Coswig, Tel.: 03523 8672395, E-Mail: albin.poetzsch@t-online.de bestellt werden.

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