Januar 25, 2021

Nebenbei ein WM-Match

Die Spielerinnen als Nebendarsteller: Die Geschichte über die mutige Schach-Schiedsrichterin, die demonstrativ ihr Kopftuch ablegte, erzeugte viel mehr medialen Widerhall als das Match zwischen Ju Wenjun und Aleksandra Goryachkina. | Foto: FIDE

Gäbe es eine Rangliste der dramatischsten WM-Matches, sie würde angeführt von der Gigantenschlacht Garry Kasparov – Anatoli Karpov, Sevilla 1987. Dahinter auf Platz zwei ein Neuzugang: Ju Wenjun – Aleksandra Goryachkina, Shanghai/Vladivostok 2020, ein Match, das den Fan mit einer Dramaturgie voller Wendungen, Katastrophen und Comebacks fesselte.

Leider hat es kaum jemand mitbekommen.

Gäbe es eine Rangliste derjenigen, die während eines WM-Matches mehr Aufmerksamkeit bekamen als die Spieler, sie würde angeführt vom Parapsychologen Vladimir Suchar. Weil ihn Suchar aus dem Zuschauerraum so intensiv anstarrte, verbarg Viktor Kortschnoi 1978 gegen Anatoli Karpov seine Augen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille. Karpov monierte, die Brille sende schädliche Strahlen aus. Eine „Kommission für Atomenergie“ prüfte den Fall.

Affront gegen den Ajatollah

Hinter Suchar auf Platz zwei ein Neuzugang: die iranische Schach-Schiedsrichterin Shohreh Bayat, die 2020 in Shanghai demonstrativ ihr Kopftuch ablegte und fortan fürchtete, nach Hause zurückzukehren. Im Kontext der Unruhen im Iran und seines Betonregimes, das im Sport lieber seine besten Köpfe verliert, als sich von archaischen Regeln zu lösen, machte Bayats Affront gegen den Ajatollah weltweit Schlagzeilen.

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