Karpovs Überraschungszug

Hans Peters / Anefo – http://proxy.handle.net/10648/ac839866-d0b4-102d-bcf8-003048976d84

Foto: Amsterdam, Karpov (UdSSR) in Aktion gegen Browne Datum: 14. Mai 1976

Erinnern Sie sich noch an ihre ersten Schachunterricht. Einige Grundsätze, die man Ihnen vermutlich vermittelt hat, lauteten unter anderem

* Figuren entwickeln
* Schwächende Bauernzüge vermeiden
* Rochieren
Diese Liste der gut gemeinten Ratschläge lässt sich sicherlich beliebig verlängern.

In diesem Zusammenhang ist es für Sie sicherlich keine Überraschung, wenn ich Ihnen sage, diese Grundsätze werden auch von Top-Spielern befolgt. Richtig ist aber auch, Sie tun es nicht immer, denn Sie kennen die Ausnahmen, die zum Teil zu Hause in der Vorbereitung ausgetüftelt werden und somit ein probates Mittel darstellen, um den Gegner in der Eröffnung zu überraschen.

Ein Spezialist auf diesem Gebiet war in den 90er Jahren des 20. Jahrhundert sicherlich auch Anatoli Karpov, der 12. Schachweltmeister der Schachgeschichte. Innerhalb von drei Jahren überraschte er seine Gegner, die zum Teil zur absoluten Weltspitze gehörten, in der Eröffnung mit dem Zug Ke8-e7. Damit verzichtete er bewusst auf die Rochade und nahm dabei, so seltsam es klingen mag, keinen Schaden. Wir halten hier fest, er holte damit 2,5 Punkte aus 3 Partien.

Beim Großmeister-Turnier in Biel, im Jahre 1996, bei dem er zusammen mit Vadim Milov punktgleich das Turnier als geteilter Sieger beendete, gab es mit dem ungarischen Top-Spieler Lajos Portisch, ein einstiger WM-Kandidat, das dritte “Opfer” dieser originellen Idee, nach Gata Kamski und Peter Leko in den Jahren zuvor.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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