Januar 27, 2021

Der unverwüstliche Maestro

Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versetzte Wassili Smyslov die Schachwelt ins Staunen. Im vermeintlichen Schach-Rentenalter von 62 Jahren, war er unstrittig ein aktueller, realer Kandidat für die Herausforderung des amtierenden Weltmeisters. Seine Resultate im WM-Zyklus 1982-1984 sprachen für sich.

Beim Interzonenturnier in Las Palmas 1982 wurde er zweiter hinter dem Ungarn Zoltan Ribli. Im Viertelfinale des Kandidatenturniers traf er auf den westdeutschen Großmeister Robert Hübner. Die Entscheidung in diesem Duell fiel nach einem spannenden Kampf durch die Roulettekugel im Casino Velden, denn Smyslov hatte auf die richtige Farbe gesetzt. Dies wurde als Omen des Schicksals für einen großartigen Schachspieler gewertet, dem das Alter, wie einst beim deutschen Weltmeister Dr. Emanuel Lasker, scheinbar nichts anhaben konnte.

Im Halbfinale wartete der erst 32 jährige Ungar Zoltan Ribli, der als Favorit in diesem Duell gehandelt wurde, zum einem aufgrund des Alters, zum anderen aufgrund seines tiefgründigen Positionsverständnisses in ruhigen, ausgeglichenen Stellungen. Interessanter Weise spielte Ribli aber gegen den “alten Herrn” alles andere als ruhig und zwang damit den Ex-Weltmeister zu aktiven konkreten Operationen.

Die fünfte Partie, die wir heute sehen, war für den Ausgang des Matches durchaus richtungsweisend. Smyslov entschied den Wettkampf am Ende mit 6,5 : 4,5 zu seinen Gunsten und forderte dann im Finale des Kandidatenturnieres den jungen Gipfelstürmer Garry Kasparov heraus, der nach Beendigung der Halbfinals, gerade einmal 20 Jahre alt war.

Ich wünsche viel Spaß beim Studium der Partie.

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Beitragsfoto:

Von Nick Parfjonov – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7534953

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